Ambient Assisted Living bezeichnet Systeme und Dienstleistungen die es älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause zu leben.

Was ist Ambient Assisted Living?

Ambient Assisted Living (AAL), oder Altersgerechte Assistenzsysteme, bezeichnet Systeme und Dienstleistungen die es älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause zu leben.

Theoretisch ist die Definition „altersgerechtes Wohnen“ nicht korrekt, da AAL in erster Linie für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen konzipiert wurde, also auch für junge Menschen.

In Zukunft soll eine Seniorenresidenz oder Altersheim nicht die einzige Lösung für pflegebedürftige Senioren sein. Das Ziel ist, es Menschen zu ermöglichen so lange wie möglich zuhause bleiben zu können, da das die Selbstbestimmung und Gesundheit fördert.

Ambient Assisted Living wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und wird ständig weiterentwickelt, um immer den neusten Standards zu entsprechen. Die Assistenzsysteme sollen simpel zu bedienen sein und können unauffällig und nahtlos in den Alltag eingebunden werden.

Das System wird immer auf die spezielle Situation der betroffenen Person angepasst und kann bei Bedarf verändert oder erweitert werden. Es ist gerade bei alltäglichen und sich wiederholenden Aufgaben hilfreich Ambient Assisted Living Systeme einzusetzen.

Da heutige Senioren in der Regel nicht mit Technik aufgewachsen sind, stehen sie ihr oft kritisch gegenüber und fürchten, dass sie es nicht handhaben oder verstehen können. AAL-Technik wird jedoch speziell für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt und ist sehr intuitiv und einfach zu bedienen. Die meisten Nutzer sind überrascht wie einfach und effektiv Assistenzsysteme sind.

Was ist der Unterschied zwischen Ambient Assisted Living und Smart Homes?

Smart Home ist die Bezeichnung für den Einsatz von Technologien in Haushalten in denen keine pflegebedürftigen Personen leben. Die Technik übernimmt in der Regel Aufgaben die sonst manuell verrichtet werden müssen, wie beispielsweise die Steuerung des Lichts, der Heizung, Jalousien und vielem mehr. Außerdem ist das System mit dem Internet verbunden und wird darüber gesteuert.

AAL ist an diesem Prinzip angelehnt, erweitert allerdings die Systeme für den Bedarf beeinträchtigter Menschen, die dennoch selbstbestimmt zuhause leben möchten – AAL kann quasi als Erweiterung des Smart Homes gesehen werden. AAL bietet vor allem Vorteile was die Steuerung und Überwachung von Mechanismen im Haushalt angeht –Familienangehörige können sich in ein Videosystem einklinken und schauen ob es den Angehörigen gut geht, können mit ihnen sprechen und Hilfe holen, Einkäufe können organisiert, Medikamente beschafft und Arzttermine abgemacht werden.

Es gibt verschiedene Produkte die in einem Assistenzsystem eingefügt werden können, wie z.B. ein Rauchmelder mit integrierter Herdsteuerung. Gerade bei Patienten mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen bietet dies große Vorteile für die Sicherheit der Nutzer. Sobald es zu einer Rauch- oder Gasentwicklung kommt, aktiviert der Rauchmelder nicht nur eine Warnfunktion, sondern schaltet auch sofort den Herd aus. Des Weiteren gibt es Pillo, einen Medikamentenroboter der einzelne Personen anhand des Gesichtes erkennen kann, individuelle Medikamentenzusammenstellungen portioniert und verbal an die Einnahme erinnert. Wenn die Medikamente dennoch nicht eingenommen werden, kann Pillo Warnmeldungen an Angehörige senden.

Allianz für Ambient Assisted Living

Elf Fraunhofer Institute arbeiten zusammen an AAL-Systemen, die sich selbstständig, proaktiv und situationsspezifisch an die speziellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen sollen.
„Personal Health“ Systeme enthalten tragbare, kleine medizinische Geräte die für den häuslichen und mobilen Einsatz konzipiert sind.

Intelligente Umgebungen zielen speziell darauf ab es älteren, behinderten und pflegebedürftigen Menschen zu ermöglichen, ihr autonomes Leben in ihrer vertrauten Umgebung weiterzuführen.

Obwohl neue Technologien mittlerweile im Alltag fast aller Menschen eine wichtige Rolle spielen, haben es Assistenzsysteme noch nicht geschafft sich durchzusetzen. Es gibt nur sehr wenige erfolgreiche Beispiele einer Implementierung der Assistenzsysteme zur Steigerung der Lebensqualität und Autonomie älterer Menschen. Die Technik ist zwar vorhanden und kann relativ einfach angewendet werden, allerdings sind die Produkte meist etwas komplizierter in der Installation. Nutzer scheuen die Auseinandersetzung mit Neuem und kommen dann mit den Systemen nicht klar.

Zusätzlich fehlt die nötige Finanzierung für die Durchsetzung existierender Technik. Haushalte mit Senioren oder pflegebedürftigen Menschen scheuen sich vor den hohen Ausgaben. Mittlerweile bezuschussen Pflegekassen jedoch Maßnahmen für die Verbesserung des Wohnumfeldes mit bis zu 4000€ pro Maßnahme. Für die Finanzierung ist allerdings ein bewilligter Pflegegrad erforderlich.

Per Knopfdruck Hilfe bekommen

Das meist genutzte Assistenzsystem momentan ist der Hausnotruf. In einem Notfall können pflegebedürftige Personen einen Sender mit Notrufknopf drücken, der die Angehörigen oder Pflegekräfte über den Notfall alarmiert und den Standort des Senders übermittelt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter für das Notrufsystem, wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz oder die Johanniter. Da diese Hausnotrufsysteme vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen als Pflegehilfsmittel zur selbstständigeren Lebensführung betrachtet werden, werden sie unter bestimmten Umständen von der Kasse übernommen.

Zukünftig sollten weitere Assistenzsysteme in den Hilfsmittelkatalog der Pflegekassen aufgenommen werden, um den Alltag der Pflegehaushalte zu vereinfachen.

Da die Lebenserwartung weiter steigt und die Anzahl an älteren Menschen signifikant wächst, fördert die Bundesregierung Zukunftsprojekte wie beispielsweise „Auch im Alter ein selbstständiges Leben führen“. Zeitgleich ist das Projekt ein Beitrag zur Umsetzung der „Forschungsagenda für den demographischen Wandel: Das Alter hat Zukunft“, wofür die Regierung 20 Millionen Euro zur Verfügung stellt. 14 ausgewählte Projekte zu dem Thema „Mobil ins hohe Alter“ wurden gefördert, u.a. barrierefreier Tourismus für Senioren, virtuelle Begleiter und personalisierte Assistenzsysteme.



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