Studien erforschen ob 3D-Videospiele das Gehirn trainieren und eventuell vor Demenz schützen können

Wie 3D-Videospiele das Gehirn trainieren können

Je älter man wird, desto mehr bleibt man üblicherweise zuhause und desto weniger bewegt man sich. Die Muskeln und Knochen lassen nach und das Gehirn wird nicht mehr ausgelastet.

Die Hirnareale die beispielsweise für die räumliche Orientierung zuständig sind, werden kaum noch trainiert. Dabei könnten jetzt aber spezielle Computer- und Videospiele Abhilfe schaffen.

Die berühmten „grauen Zellen“

Um eine gesunde Wahrnehmung zu erhalten ist es wichtig die graue Substanz im Gehirn zu trainieren und aufrechtzuerhalten. Graue Substanz bezeichnet einen wesentlichen Teil des Zentralnervensystems, die sich aus Nervenzellkörpern zusammensetzt. Umgangssprachlich spricht man häufig von den „grauen Zellen“. Wenn die Menge an grauer Substanz abnimmt, kann es im Alter zu Krankheiten wie Demenz und Alzheimer kommen. Eine höhere Masse in bestimmten Hirnarealen wird mit höherer Intelligenz in Verbindung gebracht.

Studie: Welchen Effekt haben 3D-Videospiele auf ältere Menschen?

Es wurde bereits in früheren Tests bewiesen, dass das Spielen von 3D-Plattform-Videospielen bei jüngeren Erwachsenen die graue Substanz im Hippocampus fördert. Nun testete ein kanadisches Forscherteam ob das 3D-Plattform-Videospieltraining auch die graue Substanz in den drei Hirnbereichen Hippocampus, Kleinhirn und dem Dorsolateralen Präfrontalen Cortex (DLPFC) bei älteren Erwachsen beeinflusst. Forscher erhoffen sich in erster Linie neue Ansätze, wie das Risiko von Alzheimer und weiteren Demenzkrankheiten reduziert werden könnte.

Für diese Studie wurden 33 Erwachsene im Alter von 55 bis 75 Jahren in drei Gruppen eingeteilt:

  1. eine Videospiel-Experimentalgruppe (VID) hat über einen Zeitraum von sechs Monaten, fünf Tage die Woche für eine halbe Stunde das 3D-Plattform-Videospiel Super Mario 64 gespielt
  2. Eine aktive Kontrollgruppe (MUS) nahm an einem selbstgesteuerten, computerisierten Klavierunterricht teil
  3. Eine weitere Kontrollgruppe bekam keine Aufgabe (CON)

Beide aktiven Gruppen haben vorher noch nie Video- oder Computerspiele gespielt oder an einem Musik- bzw. Klavierunterricht teilgenommen.

Zuerst wurde bei allen Teilnehmern die Masse an grauer Substanz in den drei Hirnbereichen gemessen (Hippocampus, Cerebellum, DLPFC) und ein Gedächtnistest durchgeführt.

Wie genau kann ein Videospiel das Gehirn trainieren?

Es wird angenommen, dass die Beziehung zwischen Hippocampus und 3D-Plattform-Spielen von der Tatsache bestimmt wird, dass sie die Verwendung von räumlichen Speicherprozessen erfordern, um eine kognitive Karte von Umgebungen im Spiel zu erstellen. Es werden neue Eindrücke dort als Erinnerungen gespeichert und räumliche Informationen zusammengefügt, die diese Art kognitive Karte erzeugen.

Weiterhin wurde die These aufgestellt, dass ältere Erwachsene die über einen Zeitraum von sechs Monaten Super Mario 64 spielen, von den räumlichen Navigationskomponenten des Spiels profitieren könnten.

Diese Art von Spielen erfordert auch ein hohes Maß an Feinmotorik, welche die Masse an grauer Substanz im Cerebellum vergrößert. Dies wurde schon 2014 unter anderem von Simone Kühn und 2017 unter anderem von Greg West bei jüngeren Erwachsenen bewiesen, nachdem diese ein paar Monate lang Super Mario 64 spielten.

Ergebnisse der Studie

Nur bei der Gruppe, die Super Mario 64 spielten, erhöhte sich die graue Substanz im Hippocampus, was die Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses zur Folge hat.

Bei der Musikgruppe, die täglich ein Klaviercomputerprogramm spielten, haben sich auch die Strukturen im Hippocampus und Cerebellum verbessert, die für Bewegung und Gleichgewicht zuständig sind. Außerdem traten nur bei ihnen Verbesserungen in Arealen auf, die für Planung und Entscheidungen wichtig sind.

Bei der reinen Kontrollgruppe, die keine Aufgabe bekam, verringerte sich die Masse an grauer Substanz im Hippocampus, Cerebellum und DLPFC.
Allerdings sagt Sylvie Belleville, eine der Ko-Autorinnen der Studie, dass solche Effekte im Gehirn wieder rückgängig gemacht werden können und man die Masse an grauer Substanz wieder erhöhen kann, wenn man etwas Neues dazu lernt. Gerade Spiele wie Super Mario 64, die den Hippocampus aktivieren, scheinen ein hohes Potenzial dafür zu haben.

Einige Forsche sagen zwar, dass diese Studien vielversprechend klingen, man jedoch vorsichtig sein sollte keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Erst muss festgestellt werden wie lange die in der Studie beobachteten Effekte anhalten und ob sie nicht nur die Masse an grauer Substanz, womöglich vorübergehend, erhöhen sondern auch wirkliche eine Demenz verzögern oder verhindern können.

Sind speziell entwickelte Spiele für Senioren die Lösung?

Es wäre allerdings eine praktische Methode, da Senioren oft weniger mobil sind und diese Teile ihres Hirnes kaum trainieren. Besonders aufgrund von Krankheiten oder körperlichen Probleme können sich viele Senioren nicht mehr viel außerhalb ihres Zuhauses bewegen.

Da heutige 3D-Plattform-Spiele meistens für Kinder oder jugendliche Erwachsene konzipiert wurden und oft ein hohes Maß an Auffassungsgabe benötigen, könnte es sinnvoll sein ein Spiel speziell für Senioren zu entwickeln. Die Forscher beobachteten nämlich, dass bei einem Teil der Videospielgruppe einige Probanden am Spiel aufgaben, da es ihnen zu schwer war. Andere allerdings spielten das Spiel innerhalb der sechs Monate komplett durch und gingen weiter über zu dem Nachfolgerspiel Super Mario Galaxy.

Weitere technische Spielereien für das Gehirntraining

Dank der zunehmenden Digitalisierung und ständiger technischer Neuerungen, sind auch oft Senioren, die nicht mit dieser Technik aufgewachsen sind, eben dieser ausgesetzt. Es gibt auch viele weitere digitale und spielerische Möglichkeiten wie man eventuell die Erinnerungen von Demenzkranken leichter wecken kann.

Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Krefeld im Wirtschaftswunder“, das die Agentur Weltenweber in Kooperation mit dem Helios Cäcilien-Hospital Hüls entwickelt. Weltenweber sind darauf spezialisiert Szenen und Objekte in einer virtuellen Realität zu kreieren, einer so genannten Virtual-Reality-Umgebung (VR). Das Ziel des Projektes ist es eine der bekanntesten Straßen Krefelds so erscheinen zu lassen, wie sie in den 1950er Jahren aussah. Mit Hilfe einer VR-Brille erhalten Patienten so die Möglichkeit ihre Vergangenheit aufleben zu lassen und die Straße so zu sehen wie sie sie kannten, als sie dort aufgewachsen sind. Dank der realistischen Darstellung und dem intensiven Erlebnis einer VR-Umgebung, könnten die Patienten ihre Erinnerungen leichter wecken und so in Zukungt eventuell den Krankheitsverlauf der Demenz verlangsamen.

Egal ob Super Mario, Virtual Reality oder sonstige Gehirntrainings: es ist wichtig das Gehirn sein ganzes Leben zu trainieren. Dies geschieht in jüngeren Jahre oft automatisch durch den Beruf, verschiedene Hobbies und Mobilität. Im Alter sollte man sich deswegen vermehrt darauf konzentrieren verschiedene Gehirnjoggingaufgaben zu erledigen oder eben ein Videospiel zu spielen, welches nicht nur verschiedene Teile des Gehirns trainiert, sondern auch viel Spaß bereitet.