Verhinderungspflege erhält man, wenn man zu Hause von privaten Personen gepflegt wird.

Verhinderungspflege: Anspruch und Regelungen

Jeder, der einmal praktische Erfahrung in der Altenpflege gesammelt hat, weiß, wie belastend diese schwere Arbeit sein kann. Selbst bei professionellen Pflegekräften kann diese Arbeit schnell zu Überlastungen und Ausfällen führen, wenn kein Ausgleich geschaffen wird. Es physisch und psychisch unmöglich in der Pflege 24 Stunden jeden Tag präsent zu sein. Gerade pflegende Angehörige, nehmen sich selten eine Auszeit, da sie ihren pflegebedürftigen Angehörigen nicht „im Stich lassen wollen“. Doch abgesehen von größeren Unternehmungen wie Urlaub, müssen sich Menschen schließlich auch einfach Zeit für sich selbst nehmen, oder eben für alltägliche Dinge wie Arzttermine oder der Gang zum Friseur.
Die wichtigsten Informationen bezüglich der Verhinderungspflege finden Sie hier:

Eine Auszeit ist wichtig um wieder Kraft zu tanken, zu entspannen, zum um sich selbst kümmern und um auf andere Gedanken zu kommen. Dementsprechend benötigen sowohl ausgebildete Betreuungskräfte als auch Angehörige, die Pflegeleistungen für ein Familienmitglied erbringen, in regelmäßigen Abständen eine Auszeit von der Pflege. Obwohl es vielen Betroffenen und deren Familien nicht bekannt ist, hat deshalb eine jede pflegebedürftige Person Anrecht auf die sogenannte Verhinderungspflege, d. h. die Pflegeversicherung übernimmt in einem (zeitlich und finanziell beschränkten) Rahmen die Kosten für eine Urlaubsvertretung der Person, welche die Pflegeleistungen erbringt.

Verhinderungspflege erhält man, wenn man zu Hause von privaten Personen gepflegt wird.

Genaue Definition der Verhinderungspflege

In der häuslichen Pflege, werden pflegebedürftige Menschen meist von Angehörigen, Verwandten oder Freunden gepflegt. Da es zu eigenen gesundheitlichen und belastenden Problemen führen kann, wenn man einen anderen Menschen pflegt und sich keine Auszeit nimmt, muss eine Ersatzpflegeperson gefunden werden.

Verhinderungspflege bedeutet also, dass die reguläre Pflegeperson bei einer häuslichen Pflege verhindert ist und die Pflege vorübergehend von einer anderen Person übernommen wird.

Die Verhinderungspflege wird in der Regel stundenweise abgerechnet auch wenn die Ersatzpflegeperson mehrere Tage oder Wochen in Anspruch genommen wird. Die stundenweise Abrechnung ist jedoch sehr praktisch, da die Pflegeperson nicht immer nur wegen größeren Unterfangen wie Urlaube verhindert ist. Wenn mal ein eigener Arztbesuch ansteht, der Einkauf erledigt werden muss, ein Friseurbesuch ansteht, oder auch einfach mal ein Kinoabend mit Freunden, ist die stundenweise Abrechnung für die Verhinderungspflege ein echter Vorteil. So kann die Ersatzpflegeperson die vorübergehende Pflege nämlich einfach für die gewünschte Zeit am Tag übernehmen und die Abrechnung erfolgt unkompliziert.

Was genau die Verhinderungspflege ist, was der Unterschied zur Kurzzeitpflege ist, und alle weiteren wichtigten Informationen über diese Entlastungsleistungen, erfahren Sie in unserem Video: „Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege einfach erklärt“

Rechtliche Regelungen

Bevor Anspruch auf die sogenannte Verhinderungspflege besteht, muss die Pflegeperson – gleichgültig, ob sie als solche angestellt oder privat tätig ist – die pflegebedürftige Person für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in deren häuslicher Umgebung betreut haben. Als Vertretung für die Hauptpflegeperson kommen professionelle Dienstleister, Verwandte oder bekannte Privatpersonen gleichermaßen in Frage.

Die Gründe für die Inanspruchnahme der Verhinderungspflege können varrieren,  beispielsweise muss ein Pflegeersatz her, weil die Hauptpflegeperson krank ist, in Urlaub fährt oder auch einfach mal einen Abend im Theater verbringen will. Ein Grund muss allerdings bei der Beantragung für Verhinderungspflege nicht unbedingt angegeben werden.

Folgende Vorraussetzungen gelten allerdings in jedem Fall:

  • Es muss mindestens Pflegegrad 2 vorliegen
  • Die pflegebedürftige Person muss hauptsächlich von Angehörigen bzw. bekannten Privatpersonen gepflegt werden – es besteht kein Anspruch auf Verhinderungspflege wenn der Pflegebedürftige ausschließlich von einem professionellen Pflegedienst betreut wird
  • Die private Pflegeperson muss den Pflegebedürftigen vor Beantragung der ersten Verhinderungspflege schon mindestens sechs Monate betreut haben

Wenn professionelles Pflegepersonal die Pflegeleistungen ersatzwesie durchführt, übernimmt die Pflegekasse die Kosten von bis zu 1.612 € pro Kalenderjahr. Dies entspricht einem Vertretungszeitraum von vier Wochen, die allerdings nicht am Stück genommen werden müssen, sondern innerhalb des betreffenden Kalenderjahres beliebig aufgeteilt werden können. Dasselbe gilt, wenn entfernte Verwandte oder Bekannte als Pflegevertretung herangezogen werden. Wenn die Ersatzpflegeperson bis zum zweiten Grade mit der pflegebedürftigen Person verwandt oder verschwägert ist, oder mit der Person in einer häuslichen Gemeinschaft lebt, zahlt die Pflegekasse weniger:

Wenn nahe Verwandte als Pflegevertreter einspringen – dürfen die Kosten maximal der Höhe des Pflegegeldes des entsprechenden Pflegegrades der pflegebedürftigen Person entsprechen. Allerdings können auf Nachweis darüber hinaus auch höhere Kosten übernommen werden (z. B. für Verdienstausfall, Fahrtkosten), solange der Höchstbetrag von 1.612 € nicht überschritten wird.

Antragstellung der Verhinderungspflege

Informationen über die Antragstellung für Verhinderungspflege

Der Antrag, der bei der Pflegekasse für den Erhalt der Verhinderungspflege gestellt werden muss, heißt „Antrag auf Leistungen der Pflegekasse bei Verhinderung einer Pflegeperson“. Falls die pflegebedürftige Person übergangsweise von einem professionellen Pflegedienst betreut wird, müssen alle Rechnungen und Belege aufgehoben und zusammen mit dem Antrag bei der Pflegekasse eingereicht werden.

Hierfür stellen die Pflegeversicherungen auch entsprechende Abrechnungsformulare, die alle Posten gesammelt aufführen.

Es ist jedoch nicht zwingend notwendig die von der Pflegekasse gestellten Formulare zu verwenden, sondern es ist auch möglich einfach einen formlosen Antrag zu senden der folgende Angaben enthält:

  • Datum des Beginns der Pflege
  • Zeitraum in der die Pflegeperson vertreten werden muss
  • Angabe zum Umfang der Pflege (muss die Pflege vollständig oder nur stundenweise übernommen werden)
  • Angabe über die Ersatzpflegeperson
  • Angaben über das Verhältnis zwischen pflegebedürftiger Person und Pflegeperson
  • Angabe, ob die Vertretung der Pflegeperson im gleichen Haushalt mit der pflegebedürftigen Person lebt
  • Soll auch die Hälfte des Anspruches auf Kurzzeitpflegen für die Verhinderungspflege verwendet werden
  • Datum und Unterschrift des Versicherten, des Betreuers oder des gesetzlichen Vertreters

Auswirkungen auf Pflegegeld und Kurzzeitpflege

Wenn möglich, kann jeder Pflegebedürftige selbst entscheiden, von wem er gepflegt werden möchte. Oftmals übernehmen nahe Angehörige bzw. Verwandte die Pflege oder Betreuung. Pflegebedürftige bekommen im Falle der häusliche Pflege von der Pflegeversicherung Pflegegeld ausgezahlt, dessen Höhe sich aus dem jeweiligen Pflegegrad errechnet. Das Pflegegeld wird weiterhin in voller Höhe ausgezahlt, wenn die Verhinderungspflege über einen Zeitraum von zwei oder weniger Tagen für weniger als, bzw. genau acht Stunden in Anspruch genommen wird. Wenn die Verhinderungspflege länger in Anspruch genommen wird, wird die Hälfte des Pflegegeldes für den Zeitraum gezahlt.

Ist eine Verhinderungspflege im eigenen Heim nicht möglich, gibt es ein stationäres Pendent: die Kurzzeitpflege. Im Falle einer Verhinderung der Pflegeperson, zahlt die Pflegeversicherung bis zu 1.612€ im Jahr für maximal 56 Tage stationären Aufenthalt.

Wird die Kurzzeitpflege nicht in Anspruch genommen, kann die Hälfte des Geldes auch auf die Verhinderungspflege zu Hause umgelegt werden, sodass bis zu 806€ mehr im Jahr zur Verfügung stehen, insgesamt also bis zu 2.418€ im Jahr für die Verhinderungspflege geleistet werden können.

Umgekehrt ist die Umlegung der Leistungen der Verhinderungspflege auf die Kurzzeitpflege auch möglich. Hier wird allerdings der volle Betrag der Verhinderungspflege von 1.612€ auf die Kurzzeitpflege umgelegt und diese kann bis zu acht Woche im Jahr in Anspruch genommen werden.

Genauere Auskünfte bzgl. der Verhinderungspflege können jederzeit bei der jeweiligen Pflege- bzw. Krankenkasse eingeholt werden, wo auch die entsprechenden Anträge zu stellen sind.

Eine Verhinderungspflege ermöglicht Pflegepersonen eine Auszeit

Weitere Informationen

Welche Leistungen werden übernommen?

  • In der Regel werden alle Leistungen übernommen, die sonst auch von der Pflegekasse übernommen werden. Dies beinhaltet die Grundpflege und hauswirtschaftliche Hilfe. Da medizinische Behandlungen und Pflege laut Gesetz nur von professionelle Pflegediensten übernommen werden können, greift hier auch bei einer Verhinderungspflege die Pflegeversicherung nicht.

Wer erhält eigentlich das Geld ?

  • Wenn eine Privatperson die Verhinderungspflege für eine pflegebedürftige Person unternimmt, überweist die Pflegeversicherung die Leistungen, wie auch beim regulären Pflegegeld, an die pflegebedürftige Person. In der Regel werden die Leistungen dann als Aufwandsentschädigung intern an die Pflegeperson weitergegeben. Übernimmt ein Pflegedienst oder eine professionelle Pflegeperson die Verhinderungspflege, überweist die Pflegekasse das Geld direkt an den Dienst/den Pfleger.

Wie lange im Nachhinein kann man die Verhinderungspflege rückwirkend beantragen?

  • Die Ansprüche auf die Leistungen verfallen immer mit Ende des laufenden Kalenderjahres. Die Verhinderungspflege kann das ganze Jahr bis einschließlich dem 31.12. genutzt werden. Ab dem 01.01. steht mit dem neuen Jahr auch wieder die vollen Leistungen für das kommende Jahr zur Verfügung.

Das Pflegegeld wird unter Umständen gekürzt. Wie ist es mit Pflegesachleistungen?

  • Pflegesachleistungen erhält man wenn man regulär im eigenen Heim von einer professionellen Pflege betreut wird (Pflegegeld erhält man wenn man im eigenen Heim von privaten Personen gepflegt wird). Diese bleiben von der Verhinderungspflege unberührt.

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