Studieren im Alter: Studiengänge für Senioren

Heutige Senioren sind zu einer Zeit aufgewachsen in der nur wenige die Möglichkeit hatten das Abitur zu machen oder zu studieren. Die meisten mussten bereits in jungen Jahren arbeiten gehen um die Familie, gerade in der Nachkriegszeit zu unterstützen. Zusätzlich brauchte man in den meisten Fälle das Abitur um zu einem Studium zugelassen zu werden. In den 1960er Jahren erhielten allerdings nur 7% der deutschen Bevölkerung eine Hochschulzugangsberechtigung.

Mittlerweile braucht man für viele Studiengänge kein Abitur, sondern kann auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder Berufserfahrung das Wunschstudium antreten. Dazu muss man nur eine Eingangsprüfung ablegen. Das studieren im Alter wird immer beliebter und die Angebote der Hochschulen verbessern sich stetig.

Im Jahre 2015 waren ca. 50.000 über 50-Jährige an deutschen Hochschulen eingeschrieben.

Warum studieren im Alter?

Senioren sind heutzutage so fit wie noch nie zuvor und ein Leben im Ruhestand kann ihnen einfach zu langweilig werden. Sie möchten die zahlreichen Möglichkeiten nutzen um den Ruhestand auch sinnvoll zu nutzen und nicht sozusagen vor sich hin zu vegetieren.

Da eben viele heutige Senioren, in ihrer Jugend, keine Möglichkeit hatten zu studieren möchten sie Verpasstes nachholen. Entweder war das Studium vorher zu teuer, oder das gewünschte Studienfach, wie beispielsweise Philosophie, brachte keine guten Jobchancen mit sich oder eben, weil die Meisten arbeiten mussten um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und die Familie zu unterstützen.

Jetzt wo sie das Rentenalter erreicht haben und womöglich nicht mehr arbeiten müssen besteht der Wunsch etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht war es immer ein lang gehegter Traum zu studieren oder es ist der Wunsch auch im Alter geistig fit, neugierig und aktiv zu bleiben. Ein großer Vorteil eines Studiums ist es auch neue Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln, etwas für sich selbst zu tun und das eigene Wissen und die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Welche Fächer kann man im Alter studieren?

Theoretisch kann man mit entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen jedes Fach studieren. Allerdings sind dann auch alle Prüfungen, Hausarbeiten und Pflichtveranstaltungen abzulegen und zu besuchen und natürlich die Regelstudienzeit einzuhalten. Rainer Adelmann, Pressesprecher des Akademischen Vereins der Senioren in Deutschland sagt, dass vor allem Fächer die sich mit Sinnfragen, Kunst und Gesellschaft beschäftigen, am beliebtesten sind oder auch Fächer in denen normalerweise nur wenige reguläre Studenten eingeschrieben sind wie beispielsweise Tibetologie oder Ägyptologie.

Als Alternative gibt es an vielen Hochschulen mittlerweile auch sogenannte Seniorenstudiengänge, bei denen man unter ausgewählten Vorlesungen aus verschiedenen Fächer, diejenigen auswählen die einen am meisten interessieren. Dies sind verstärkt Vorlesungen aus den Bereichen der Geistes- und Kulturwissenschaften aber auch Medizin oder Biologie. Man muss sich bei solch einem Studiengang in jedem Semester neu anmelden und es gibt meist keine Klausuren oder Prüfungen.

Die Universität Mainz beispielsweise bietet pro Semester über 75 Veranstaltungen aus fünf Themenbereichen an.

Da nicht alle Hochschulen ein Seniorenstudium anbieten, gibt es auch die möglich ein Gasthörerstudium zu absolvieren. Es ist ähnlich wie ein Seniorenstudium, allerdings steht es allen Altersklassen offen. An den Hochschulen gibt es meist zentrale Anlaufstellen für Senioren- und Gasthörerstudiengänge.

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit eines Zertifikatsstudiums. Es ist einem Senioren- oder Gasthörerstudium sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass Hausarbeiten geschrieben, Prüfungen abgelegt und ein Abschluss gemacht werden muss, der mit einem Abschlusszertifikat ausgezeichnet wird. Dieses Studium dauert in der Regel ca. vier bis fünf Semester.

Ist das studieren im Alter etwas für mich?

Generell muss man sich entscheiden ob man die Karriere weiter ausbauen und sich umorientieren möchte oder ist der Beruf bereits abgeschlossen und man möchte seinen Horizont erweitern und sich weiter entfalten.

Viele Senioren machen sich Sorgen, dass sie von jüngeren Studenten belächelt würden oder trauen sich nicht mit anderen in Kontakt zu treten. In der Regel gibt es zwischen Jung und Alt jedoch keine Probleme und das Verhältnis zwischen den verschiedenen Altersgruppen ist eher gemeinschaftlich und beruht auf einer Wechselwirkung aus lehren und lernen.

Es gibt mittlerweile viele Senioren die auch noch im sehr hohen Alter studieren wollen. Die besten Beispiele sind der Australier Allan Stewart der im Jahr 2012, im Alter von 97 Jahren erfolgreich seinen Masterabschluss im Fachbereich Medizin absolviert hat und der Inder Bholaram Das, der kurz vor seinen 100. Geburtstag mit seiner Doktorarbeit begann.

Das studieren im Alter bietet viele Vorteile, denn geistig und physisch aktiv zu sein, hält jung und ein Studium ermöglicht es einzigartige Erfahrungen zu sammeln die in jedem Alter hilfreich sind.