Silbernetz ist eine Seelsorgehotline für einsame Senioren.

Silbernetz – mehr als nur ein Seelsorgetelefon für Senioren

Silbernetz ist eine Hotline, die speziell für ältere Menschen entwickelt wurde, die vereinsamt und isoliert leben. Es ist also nicht nur für Nothilfe, sondern auch für ganz normale Gespräche um Gesellschaft und Unterhaltung zu bieten.

Senioren fühlen sich oft unsichtbar, da sie nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen und folglich oft nicht mehr als notwendig angesehen werden. Deshalb wurde das Projekt Silbernetz von Elke Schilling am Heiligabend 2017 in Berlin ins Leben gerufen. Es ist angelehnt an eine britische Initiative namens „The Silver Line“, die bereits seit 2013 existiert.

Elke Schilling ist 73 Jahre alt und seit sechs Jahren als Seniorenvertreterin in Berlin-Mitte tätig. Da sie sich täglich mit dem Thema Einsamkeit unter Senioren auseinandersetzen muss, ist dieses Projekt eine wahre Herzensangelegenheit für sie. Sie sagt, dass die meisten Menschen von sich behaupten nicht einsam zu sein. Einsame Menschen schämen sich eventuell dafür, da es heißen könnte, dass man verlassen wurde oder nicht in der Lage ist seine sozialen Kontakte zu pflegen. Also wollte sie eine Lösung finden, mit denen man vereinsamten Senioren in Deutschland aus der Isolation raushelfen kann.

Ein vereinsamter Nachbar inspirierte das Projekt

Frau Schilling kam die Idee schon vor einigen Jahren, als ihr Nachbar drei Monate lang tot in seiner Wohnung lag. Sie war diejenige der auffiel, dass ein Restaurant-Flyer zwei Wochen lang unberührt an seiner Tür hing und alarmierte Polizei und Vermieter. Als sie ihm ein paar Monate zuvor ihre Hilfe anbot, lehnte er dies ab. Um herauszufinden wie man solche Menschen erreichen könnte und dazu bringen könnte Hilfe anzunehmen, recherchierte sie und wurde auf The Silver Line aufmerksam.

Das britische Projekt startete relativ klein in Manchester und war schon bald in ganz Großbritannien für alle vereinsamten Senioren zu erreichen. Frau Schilling beschloss sich dieses Projekt genauer anzusehen und wurde von der Arbeit des Teams überzeugt. Sie nahm sich vor ein ähnliches Projekt auch in Deutschland zu starten und kehrte nach Berlin zurück.

Drei Jahre nachdem sie in Manchester war, startete sie dann das Pilotprojekt „Silbernetz“ am Heiligabend im Wedding. Als das Telefon zum ersten Mal klingelt, atmet das Team erst mal auf. Sie wussten ja nicht, ob überhaupt jemand anrufen würde. Doch in den ersten 12 Stunden wurden schon 50 Kontaktaufnahmen verzeichnet mit einer Gesprächsdauer zwischen 10 und 50 Minuten. Das Team arbeitete in Zweier-Teams im Schichtsystem bis Mitternacht. Im Fokus der Gespräche liegt immer das persönliche Schicksal jeder einzelnen Person und die jeweiligen Ursachen für die Einsamkeit. Schilling erklärt, dass die meisten Anrufer sich ausgeschlossen und schlecht behandelt fühlen, sie haben entweder keine Angehörigen oder der Kontakt zu ihnen ist abgebrochen. Gerade an den Feiertagen, wo Gemeinschaft zelebriert wird, fühlen sich die meisten einsam und verlassen.

Während eines zweitägigen Seminars, wurden 20 Freiwillige dazu ausgebildet ein anteilnehmendes Gespräch zu führen. Sie haben gelernt wie man Menschen zum Reden bringt, welche Fragen man stellen kann und wie man Anteilnahme und vor allem Interesse vermitteln kann. Natürlich gibt es nicht nur einsame, sondern auch depressive oder gar suizidgefährdete Senioren. Diese werden von den Silbernetz-Ehrenamtlern an die Telefonseelsorge oder den Krisendienst weitergeleitet. Die Projektphase lief bis zum 01. Januar 2018. Die Freiwilligen werteten anschließend aus, wie vielen Menschen sie während dieser Zeit helfen konnten. Das englische Pendant verzeichnete in den vergangenen drei Jahren eine Million Anrufe, mittlerweile gehen pro Woche ca. 10.000 Anrufe ein.

Silbernetz-Freunde bieten Routine und Gesellschaft

Frau Schillings Idee geht jedoch weit über die reine Telefonseelsorge hinaus. Sie will Senioren in drei Stufen helfen: sie sollen über das Telefon Silbernetz-Freunde vermittelt bekommen, die ihnen zeigen wo die Senioren auch in ihrer Umgebung Kontakte knüpfen können. Es soll den Senioren ermöglichen aus der Isolation herauszukommen. Einmal die Woche ruft diese/r Silbernetzfreund/in, zu einer vorher vereinbarten Zeit, bei dem jeweiligen Senior an, um ein einstündiges Gespräch zu führen. Dies bietet Routine und Gesellschaft und eventuell einen Ausweg aus der Isolation. Wie bei The Silver Line, soll auch das Silbernetz-Team 24 Stunden, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr erreichbar sein. Die Gespräche sind dabei natürlich kostenfrei und bleiben anonym und vertraulich.

Silbernetz möchte außerdem die Lücke zwischen Senioren und speziellen Kiezangeboten bzw. Angeboten in der näheren Umgebung, schließen. Hierfür kooperieren sie mit verschiedenen Anbietern lokaler und regionaler Angebote für Senioren. Es gibt nämlich recht viele Angebote, jedoch erreichen sie ihre Zielgruppe leider kaum.

Für jede Hilfe dankbar

Silbernetz allerdings braucht dringend Spenden und Investoren. Zwei Hauptunterstützer sprangen Ende 2017 ab und Schilling wusste nicht ob das Projekt weitergeführt werden könnte. Dank einer Großspende war es möglich die Projektphase über die Feiertage im Dezember 2017 in gemieteten Räumlichkeiten zu starten. Da es von Seiten der Politik momentan noch recht wenig Unterstützung gibt und das Thema trotz hoher Dringlichkeit eher totgeschwiegen wird, ist das Silbernetz-Team auf Spender und Helfer angewiesen. Früher oder später wird dieses Thema jeden betreffen, also sollten wir anfangen, der Alterseinsamkeit und Altersarmut entgegen zu wirken. Der ehrenamtliche Verein hat außerdem die Kampagne „gegen Einsamkeit im Alter“ (GEiA) gestartet und ein Video gedreht, das seit dem 28. November ca. 7000 Mal aufgerufen wurde.

Silbernetz hat schon viele britische Initiativen als Vorbild wie z.B. The Silver Line. Nun wurde im Januar das Ministerium für Einsamkeit eingerichtet und GEiA möchte auch in Deutschland Ähnliches erreichen. Schilling sagt aus, dass nun auch deutsche Gesundheitspolitiker einsehen und darüber sprechen, dass Einsamkeit gesundheitliche Folgen haben kann. Frau Schilling hat eine Petition gestartet um den Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn und die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam zu machen. Die Petition können Sie hier unterschreiben.

Wenn Sie einen Angehörigen, Nachbar oder Freund haben der nicht nur einsam, sondern auch pflegebedürftig ist, könnte eine 24-Stunden-Betreuung vermittelt durch SunaCare genau das Richtige sein. Informieren Sie sich hier unverbindlich und kostenlos.



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