Seniorenwohnanlage und AAL Living Lab in Kempten

Die Bau- und Siedungsgenossenschaft (BSG) Allgäu hat in Kooperation mit der Gemeinde, der Hochschule Kempten und verschiedenen sozialen Einrichtungen das Projekt „Seniorenwohnanlage mit Tagespflege Hauffstraße – Nachverdichtung in Kooperation mit der Kommune, einer Sozialeinrichtung sowie der Hochschule“ ins Leben gerufen.

Moderne und gemeinschaftliche Seniorenwohnanlage

Dafür sind in Sankt Mang eine Seniorenwohnanlage mit 26 genossenschaftliche Mietwohnungen entstanden, die mit einer integrierten Tagespflegeeinrichtung der Diakonie Kempten und einem Seniorentreff ausgestattet ist. Dies ermöglicht eine tages- oder stundenweise Betreuung für Senioren.

Die Wohnanlage verfügt außerdem über speziell eingerichtete Räume die für die Knüpfung sozialer Kontakte gedacht sind, und enthält verschiedene mobile Dienstleistungen.

Die Gemeinde Sankt Mang war sehr an dem Projekt beteiligt – so haben beispielsweise Schüler der Robert-Schumann-Mittelschule in Kempten Kunstobjekte und Sitzbänke nach Wünschen der im Quartier lebenden Menschen für die Außenanlagen geschaffen.

Im Jahre 2017 wurde die BSG-Allgäu unter dem Motto „innovativ bauen – nachhaltig, effektiv und effizient“ den DW-Zukunftspreis für ihr „generationsübergreifendes Quartierskonzept, das einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Wohnsituation von Senioren leistet“.

AAL Living Lab – Forschungswohnung für Senioren

Um effektiv zukünftige Wohnformen unserer alternden Gesellschaft zu untersuchen hat die Hochschule Kempten am 09. Januar 2018 eine Lehr- und Forschungswohnung in der Seniorenwohnanlage eröffnet.

Die 55 Quadratmeter große Forschungswohnung, auch AAL (Ambient Assisted Living) Living Lab genannt, ist hell und modern eingerichtet und mit verschiedenen technischen Assistenzsystemen ausgestattet die Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein selbstbestimmteres Leben führen zu können, ohne unbedingt auf die Hilfe ihrer Angehörigen oder Pflegern angewiesen zu sein.

Die Hochschule ist Teil eines internationalen Forschungsverbundes in der Bodenseeregion mit Einrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die auf den demografischen Wandel reagieren und an Möglichkeiten arbeiten wollen das Leben pflegebedürftiger Personen zu vereinfachen, aber auch um die Angehörigen, Helfer und Pfleger zu entlasten.

Das AAL Living Lab ist außerdem ein überfakultäres Gemeinschaftsprojekt zwischen dem CoKett (COMES® Kempten Test- und Trainingszentrum), der Fakultät für Elektrotechnik, dem Studiengang Mechatronik, sowie der Fakultät für Soziales und Gesundheit mit dem Studiengang Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege und wir im Studienfeld „Gesundheit und Generationen“ genutzt.

Der Laboringenieur Alexander Karl ist für die praktische Umsetzung des AAL Living Labs zuständig und erhofft sich von dem Experiment, intelligente Lösungen zu finden die das Leben für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen erleichtern.

Dabei sollen die technischen Anwendungen möglichst im Hintergrund bleiben und verstecken sich daher oft unter dem Boden oder in Schränken.

Versteckte Technik in der Seniorenwohnanlage

Im Wohnzimmer beispielsweise kann man biodynamisches Licht über eine Fernbedienung steuern: verschiedene warme oder kühlere Lichttöne können so eingestellt werden und den natürlichen Biorhythmus eines Senioren unterstützen. Es gibt auch Sturzsensoren die unter dem Parkettboden liegen und einen Notruf an die Johanniter senden, sobald jemand länger als zehn Sekunden auf dem Boden liegt.

Außerdem sind höhenverstellbare und selbstöffnende Schrankelemente in die Wohnung integriert – Regale und Arbeitsflächen lassen sich per Knopfdruck hoch- und herunterfahren. Im Badezimmer gibt es ein Dusch-WC und einen Bildschirm der an die Toilette angeschlossen ist und verschiedene Gesundheitsdaten angibt.

In den Geländern wurden integrierte Pulsmesser eingebaut die sogar ein EKG ermöglichen. Demnächst soll noch ein intelligenter Kühlschrank dazu, der mit einem elektronischen Bestellsystem ausgestattet ist und Lebensmittel beim nahegelegenen Supermarkt bestellt.

Viele der Geräte sind noch Prototypen und sollen von den Studenten der Hochschule und Betreuern des AAL Living Labs stetig verbessert und weiterentwickelt werden.

Pflegebedürftige und Angehörige können die gestellte Technik kostenlos testen um im Gegenzug über ihre Erfahrungen zu berichten. Außerdem dient die Wohnung auch dazu um zu erforschen welche Grenzen die technischen Assistenzsysteme haben.

Die Wohnung wird hauptsächlich vom bayerischen Kultusministerium finanziert und wurde langfristig geplant, da die Ergebnisse repräsentativ sein müssen.

Mehr Menschen sollen auf AAL aufmerksam gemacht werden

Alles in allem sollen aber nicht nur die Bewohner, sondern eben auch das Pflegepersonal und Angehörige unterstützt werden und vor allem sollen mehr Leute auf AAL und dessen Vorteile aufmerksam gemacht werden.

Deshalb können sich neben den Betroffenen aber natürlich auch Betreiber von Wohnanlagen, Pflegedienste, Handwerker und Architekten über die verschiedenen technischen Möglichkeiten informieren um eine Basis für einen interaktiven Austausch zwischen Wohnungsbaugesellschaften, sozialen Einrichtungen, Pflegediensten, der Öffentlichkeit und der Politik herzustellen.

Das Ziel des AAL Living Labs ist es den Einsatz von technischen Assistenzsystemen zuhause und in speziellen Einrichtungen einfach zu ermöglichen.

Jeder der körperlich oder geistig beeinträchtig ist kann von solchen Assitenzsystemen profitieren und kann gewisse Geräte zuhause testen oder auch das AAL Living Lab austesten. Je nach Aufwand, können die Geräte- und Installationskosten durch das Projekt und die Fördergelder gedeckt sein. Wenn Sie also gerne solche Geräte ausprobieren möchten oder Teil des Living Labs werden möchten, können sie hier Kontakt aufnehmen.

Sind sie pflegebedürftig, möchten aber gerne in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben? Dann informieren Sie sich hier über eine 24-Stunden-Betreuung zuhause.