Der Pflegenotstand spitzt sich immer weiter zu

Verheerender Pflegenotstand – Pflegedienste müssen neue Patienten ablehnen

Der Pflegenotstand in Deutschland ist schlimmer denn je. In Niedersachsen nehmen viele ambulante Pflegedienste keine neuen Patienten an, und kündigen sogar bestehen Verträge. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hat eine Umfrage gestartet und ihre 400 ambulanten Dienste, die in der Gemeinschaft zusammengeschlossen sind, nach einer Rückmeldung aufgefordert. Nur rund ein Viertel der Dienste gab Rückmeldung, und das mit einem erschreckenden Ergebnis: von Februar bis April 2018 wurden 1.742 Anfragen von Pflegebedürftigen abgelehnt und in 63 Fällen mussten sogar bereits bestehende Pflegeverträge gekündigt werden.

Pflegekräfte werden aus ihrem Beruf verdrängt

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, der mit 600 Mitgliedern der größte private Verband Deutschland ist, sagt aus, dass sie im Schnitt von acht unversorgten Menschen pro Pflegedienst ausgehen. Sie sagen außerdem voraus, dass sich die Situation rasant zuspitzen wird.

Die Umfrage soll hauptsächlich als Momentaufnahme des Pflegezustandes dienen und den dringenden Handlungsbedarf der Politik aufzeigen.

Birgit Eckhardt, Landeschefin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sagt, dass gelernte Pflegefachkräfte geradezu aus ihrem Beruf verdrängt werden, da nicht die Zeit mit dem Patienten, sondern nur die Leistung berechnet wird. Hinzukommt, dass Pflegefachkräfte in Deutschland signifikant weniger verdienen als ein Durchschnittsarbeitnehmer. Dabei ist sowohl die psychische, als auch physische Belastung viel höher als in den meisten Berufen.

Immer mehr Pflegebedürftige müssen abgelehnt werden

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln hat auch eine Umfrage gestartet, wonach mehr als 80 Prozent der Pflegeeinrichtungen angaben, dass sie im vergangenen Jahr Pflegebedürftige ablehnen mussten, 70 Prozent der Einrichtungen eine Warteliste führen und ein Fünftel aller Heime verhängte wegen Personalmangel zeitweise absolute Aufnahmestopps.

Da die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, bewirbt sich selten noch wirklich qualifiziertes Fachpersonal. Zwei Drittel der befragten Pflegeeinrichtungen gaben an, im Jahr 2017 Bewerber eingestellt zu haben, die sie vor fünf Jahren noch abgelehnt hätten.

Langsam aber sicher, sieht nun auch die Politik ein, dass wir an einen Punkt angekommen sind, wo dringend etwas geändert werden muss.

Im neuen Koalitionsvertrag, der im März beschlossen wurde, wurde folgendes angekündigt: „In einem Sofortprogramm werden wir 8000 neue Fachkraftstellen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlungspflege in Pflegereinrichtungen schaffen.“ Außerdem sollen dem Sofortprogramm „weitere Schritte folgen“.

Zweifelhaft ist allerdings, ob das Sofortprogramm überhaupt weiterkommt, da bereits jetzt schon zehntausende Arbeitsplätze im Pflegebereich nicht besetzt werden können. Wie sollen also diese 8000 neuen Stellen besetzt werden? Die Bedingungen müssen verbessert werden: Gehalt, Belastung, Arbeitszeiten und Urlaub müssen besser geregelt werden.

Überbelastete Angestellte werden bewiesenermaßen öfter krank, steigen komplett aus dem Beruf aus oder müssen unfreiwillig in den vorzeitigen Ruhestand gehen.

„Konzertierte Aktion Pflege“ soll Pflegenotstand bekämpfen

Am 03. Juli 2018 starteten drei Bundesminister – Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – die Kampagne „Konzertierte Aktion Pflege“. Mit dieser Initiative sollen die Bundesministerien für Arbeit und Familie, Berufsverbände, Wohlfahrtsorganisationen und Krankenkassen partei- und institutionenübergreifend das Problem Pflegenotstand gemeinsam angehen.

Es wurde angekündigt die Arbeitsbedingungen und Ausbildung von Pflegekräften zu verbessern und zu fördern. Hierfür wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet, mit Vertretern von mehr als 40 Verbänden, die Verbesserungsvorschläge für die Ausbildung, bessere Bezahlung, Arbeitsschutz, Anwerbung ausländischer Kräfte und Digitalisierung erarbeiten sollen.

Arbeitsminister Hubertus Heil ist der Meinung: „Wer gute Fachkräfte will, der muss auch gut bezahlen“ und ist deshalb in Gesprächen mit privaten, gemeinnützigen und kirchlichen Einrichtung um höhere Gehälter für alle Pflegekräfte zu erwirken.

Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte derweil an, die Pläne aus dem Koalitionsvertrag der SPD und Union, bezüglich der Personaluntergrenzen in den bettenführenden Abteilungen der Krankenhäuser, zeitnah umzusetzen: „Krankenhäuser, die mit zu wenig Mitarbeitern in der Pflege arbeiten, müssen entweder erhöhen und gezwungen werden, oder sie müssen schlicht und ergreifend vom Markt“.

Um herauszufinden wie viele Pfleger wirklich nötig sind um alle Bewohner von Pflegeheimen gut zu versorgen, entwickeln Wissenschaftler der Universität Bremen ein fundiertes Verfahren um das erforderliche Personal in Pflegeheimen zu bemessen. Daraus ergeben sich dann Vorgaben für eine Personaluntergrenze, die eventuell in Zukunft für alle Pflegeheime gelten soll.

Könnte ausländisches Fachpersonal den Pflegenotstand?

Ein weiteres Ziel der Initiative ist es, ausländisches Pflegefachpersonal anzuheuern. Das Problem hierbei ist allerdings, dass der Pflegeberuf in vielen Ländern ein akademischer Beruf ist und eine anspruchsvolle Ausbildung absolviert werden muss und sind daher oft höher qualifiziert als Fachkräfte aus Deutschland. Die ausländischen Fachkräfte kommen nach Deutschland und sind in den deutschen Pflegeheimen oftmals stark unterfordert und gehen deshalb recht schnell wieder in ihre Heimat zurück.

Auch die Frage wie die geplanten Lohnsteigerungen und neuen Arbeitsplätze finanziert werden sollen, steht noch offen. Spahn sagte aus, dass noch überprüft werden müsse, wie teuer die Verbesserungen im Endeffekt für die Pflegebedürftigen, Versicherten und Sozialämter werden.

Es bleibt also weiterhin abzuwarten, wie sich die Pflege in Deutschland entwickeln wird und welche Ausmaße die Veränderungen auf die Kosten der Pflege haben werden.

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