Pflegegrade – die wichtigsten Informationen

Sie haben einen älteren Angehörigen, der nicht mehr alleine zurecht kommt und Hilfe braucht, den Alltag zu bestreiten? Oder Ihr Angehöriger benötigt weitergehende Pflege? Er ist also pflegebedürftig und Sie bemühen sich selbstverständlich darum, die bestmögliche Hilfe für Ihr Familienmitglied zu organisieren. Wichtige Grundlage für die finanzielle Unterstützung sind die Pflegegrade.

Die Pflegegrade 1 bis 5 berücksichtigen nun auch Bedürfnisse von Patienten mit dementiellen Erkrankungen.

Seit Beginn des Jahres 2017 haben die neuen Pflegegrade die alten Pflegestufen ersetzt. Das bringt Veränderungen für pflegebedürftige Personen und ihre Angehörigen mit sich. Welche das sind, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und nach welchen Kriterien dieser zugeteilt wird, erfahren Sie hier.

Diese Pflege kann sehr individuell erfolgen, ganz nach den Bedürfnissen Ihres Angehörigen. Kommt es aber zur Beantragung von Leistungen aus Pflegeversicherungen bedarf es einer Kategorisierung, einer Einschätzung des benötigten Pflegeumfangs und daher auch der zustehenden Mittel. Zu diesem Zweck gibt es fünf Pflegegrade, in die Pflegebedürftige eingeteilt werden. In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über diese Pflegestufen.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Mit der Einführung der neuen Pflegegrade, wurde auch eine neue Definition für den Begriff „Pflegebedürftigkeit“ in §14 des Elften Buches des Sozialgesetzbuches festgelegt. Der vorherige Pflegebedürftigkeitsbegriff musste überarbeitet werden, da er Personen ausschließlich nach den körperlichen Beeinträchtigungen begutachtete und Menschen mit kognitiven Einschränkungen, beispielsweise Demenz, nicht oder zu wenig berücksichtigt wurden.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde wie folgt definiert: Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Die Kriterien für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit werden in sechs Bereiche unterteilt: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und die Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) nutzt diese sechs Bereiche, sogenannte „Module“, als Begutachtungsinstrument um die Pflegebedürftigkeit einer Person festzustellen.

Warum gibt es fünf verschiedene Pflegegrade?

Ab dem 1. Januar 2017 wird die Einteilung der verschiedenen Grade an Pflegebedürftigkeit reformiert. Die alte Form der Pflegestufen 0 bis 3 wird in die Pflegegrade 1 bis 5 umgewandelt. Anhand dieser Skala wird bestimmt, welcher pflegerische Aufwand für eine Person die altersbedingt, durch Demenz oder eine physische oder psychische Erkrankung mehr oder weniger nötig wird. Doch nicht nur der Name der Einstufung für Pflegebedürftigkeit wird von Pflegestufen auf Pflegegrade geändert und um eine Kategorie erweitert, auch die Parameter zur Errechnung des jeweiligen Pflegegrades wurden erweitert. Waren bei der Beantragung einer Pflegestufe vor allem körperliche Gebrechen von hoher Bedeutung, finden nun in der Skalierung der Pflegegrade auch vermehrt geistige Leiden, wie etwa Demenz- oder Alzheimer-Erkrankungen, Anerkennung. Das führt dazu, dass es für einen an Demenz leidenden Senioren nun leichter ist, eine hohe Bezuschussung zu den Kosten seiner Pflege seitens der Pflegeversicherung zu erhalten.

Um schnell einen Überblick über die genauen Unterschiede zwischen den veralteten Pflegestufen und den momentan gültigen Pflegegraden zu erhalten, schauen Sie sich unser YouTube-Video „Pflegestufen und Pflegegrade 2018 – Wo ist der Unterschied?“ an.

Neue Berechnungsweise der Pflegegrade

Das Begutachtungsinstrument für die Pflegegrade ist in 6 Module unterteilt

Die Pflegestufen wurden vor 2017 anhand des zeitlichen Pflegeaufwandes berechnet. Seit dem neuen Pflegestärkungsgesetz, das Anfang 2017 in Kraft getreten ist, wird die Pflegebedürftigkeit einer Person nun anhand der Selbstständigkeit der pflegedürftigen Person und der Fähigkeit den Alltag zu gestalten berechnet.
Es gibt sechs verschiedene Module die in der Gutachtung abgefragt werden. Je mehr Hilfe eine pflegebedürftige Person in den abgefragten Modulen benötigt, desto höher wird die Einstufung des Pflegegrades ausfalle (siehe oben stehende Grafik „Berechnung der Pflegegrade“).

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Der Pflegegrad wird durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder einen anderen Gutachter anhand des Neuen Begutachtungs-Assessments (NBA) ermittelt. Auf dieser Skalierung erzielen Sie, beziehungsweise der entsprechende Pflegebedürftige, einen Punktwert zwischen 0 und 100. Je nach Ihrer Punktzahl werden Sie einer der fünf Pflegestufen zugeordnet:

  • ab 12,5 – unter 27 Punkte:
  Pflegegrad 1
  • ab 27 – unter 47,5 Punkte:
  Pflegegrad 2
  • ab 47,5 – unter 70 Punkte:
  Pflegegrad 3
  • ab 70 – unter 90 Punkte:
  Pflegegrad 4
  • ab 90 –  100  Punkte:
  Pflegegrad 5

Allerdings können auch Pflegebedürftige mit einem „spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die Pflegeversorgung“ den Pflegegrad 5 erlangen, auch wenn sie in der Begutachtung weniger als die eigentlich dazu nötigen 90 Punkte erreichen. Diese Sondereinteilung in den Pflegegrad 5 obliegt der Einschätzung des zuständigen Gutachters.

Bei der Umrechnung einer bereits bestehenden Pflegestufe hat der Bestandsschutz Gültigkeit, das heißt, Pflegebedürftige können durch die Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad nicht in ein geringeres Level an Leistungen abrutschen. Pflegebedürftige mit Demenz oder der Alzheimer-Erkrankung werden nun stärker berücksichtig und haben ebenfalls die Möglichkeit in einem hohen Pflegegrad anerkannt zu werden.

Die Berechnung und Gewichtung der Pflegegrade

Die Pflegegrade 1 bis 5 im Detail

Die Leistungen, die Sie in ihrem jeweiligen Pflegegrad erhalten, hängen auch stark von der Art der pflegerischen Unterstützung ab, die Sie in Anspruch nehmen. Daher ist diese pauschal nur ungenau anzugeben. Sie erfahren die Leistungen, die Ihnen in Ihrem individuellen Fall zustehen von Ihrer Krankenkasse. Hier geben wir Ihnen einen Überblick zu den Fragen:  Wie unterscheiden sich die verschiedenen Stufen der Pflegebedürftigkeit voneinander? Wie stellt sich jeweils der allgemeine Zustand der pflegebedürftigen Person im Groben dar?

Der Pflegegrad 1 bedeutet geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten. Benötigt werden hier in der Regel lediglich leichte pflegerische Tätigkeiten, wie Hilfe beim Ankleiden oder dem Waschen des Körpers. Hinzu kommt Unterstützung im Haushalt, also beim Kochen, Putzen und Wäschewaschen, sowie dem Verlassen des Hauses. Bedingt wird das Bedürfnis nach dieser leichten Form von Pflege meist durch eingeschränkte Bewegungsfähigkeit oder Demenz im Anfangsstadium. Häufig wird diese Art der Pflege von Familienangehörigen oder Freunden erledigt, da sie noch mit einem eigenen Berufs- und Privatleben verträglich ist. Der Pflegebedürftige muss nicht rund um die Uhr beobachtet werden, bzw. ist keine immerwährende Bereitschaft nötig. Außerhalb der Zeiten der aktiven Unterstützung, kann der Pflegebedürftige Probleme alleine lösen oder in Notsituationen Hilfe rufen.

Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 2 stellt eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit dar. Der pflegerische Aufwand ist in dieser Stufe bereits wesentlich höher, als in Pflegegrad 1, da ein selbstständiger Toilettengang für den Pflegebedürftigen meist nicht mehr möglich ist. Hilfe muss also öfter am Tag und in kürzeren Abständen geleistet werden.  Bei dementen Patienten in diesem Stadium kommt mehrmalige soziale Interaktion hinzu. Diese kann etwa Vorlesen, Gespräche und bewusster Einbezug in die aktuelle Tätigkeit bedeuten. Eine Demenzerkrankung erfordert auch die ständige Anwesenheit im Umfeld des Pflegebedürftigen, da der eventuelle Bedarf an Hilfe vom Pflegenden erkannt werden muss.

Pflegebedürftige mit einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit werden im Pflegegrad 3 zusammengefasst. Bei Personen ohne geistige Beeinträchtigung stellen meist enorme motorische Probleme diese Beeinträchtigungen dar. Meist bleibt den Pflegebedürftigen allerdings noch eine eingeschränkte selbstständige Mobilität mit Hilfsmitteln. Mundgerecht zubereitete Gerichte können meist noch eigenständig verzehrt werden. Die Notwendigkeit nächtlicher Anwesenheit ist meist gegeben, tagsüber kann die Person für längere Zeiträume unbeaufsichtigt gelassen werden, da sie noch in der Lage ist in Gefahrensituation zu reagieren und Hilfe zu rufen. Demente oder geistig behinderte Pflegebedürftige in diesem Grad haben in der Regel enorme kognitive Einschränkungen.

Pflegebedürftige des Pflegegrades 4 leiden unter schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit. Diese Personen sind in der Regel entweder durch vollständige Immobilität und/oder eine fortgeschrittene Demenzerkrankung beeinträchtigt. Dies bedeutet, dass eine selbstständige Bewältigung des Alltages nicht mehr möglich ist und die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten in den meisten Fällen sehr schwach sind. Bei Pflegebedürftigen die unter Pflegegrad 4 eingestuft werden, muss die Grundpflege nahezu vollständig durch einen Pflegedienst oder den pflegenden Angehörigen übernommen werden.

Auch bei Pflegegrad 5 handelt es sich um die Feststellung der schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit zuzüglich besonderer Anforderungen für den Pfleger. In diesem Stadium ist bei den Pflegebedürftigen in fast allen Fällen keinerlei Eigenaktivität mehr möglich. Sie sind vollständig auf die Aktion des Pflegers angewiesen, beispielsweise durch vollständigen Verlust der Greif-, Steh und Gehfunktionen. Unter diesem Pflegegrad werden auch Menschen im Wachkoma oder Patienten mit schwerer Demenz eingestuft.

Wie beantragt man einen Pflegegrad?

Möchten Sie für sich oder einen Angehörigen Leistungen aus der Pflegeversicherung geltend machen, müssen Sie dazu selbstverständlich einen Antrag stellen. Teil dieses Antrags ist der Nachweis eines gewissen Pflegegrades. Diesen Nachweis erhalten Sie ebenfalls nur auf Antrag. Worauf Sie beim Antrag achten müssen, erfahren Sie auch in unserem Video „Pflegegrade richtig beantragen – Worauf beim Antrag achten?“

Ansprechpartner ist dabei Ihre Krankenversicherung, beziehungsweise die Krankenversicherung des Pflegebedürftigen, egal ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind. Der Antrag kann formlos gestellt werden, es besteht also nicht die Pflicht ein bestimmtes Formular auszufüllen, auch wenn einige Krankenkassen darauf pochen. Häufig lassen sich der konkrete Sachverhalt und Ihre Wünsche in einem formlosen Schreiben aber eindrücklicher darstellen. Enthalten sein muss auf jeden Fall die Bitte um Erstellung eines Gutachtens zur Ermittlung des Pflegegrades. Es ist auch möglich bei der Pflegekasse des Versicherten anzurufen um den Antrag zu stellen. Man erhält dann im Anschluss ein Formular per Post, was ausgefüllt und unterschrieben an die Kasse zurückgesandt werden muss.

Seien Sie sich auch bewusst, dass Leistungen aus der Pflegeversicherung nicht rückwirkend gezahlt werden. Das bedeutet, solange Sie keinen Antrag auf diese Zuschüsse stellen, haben Sie auch keinen Anspruch darauf, auch wenn die Pflegebedürftigkeit bereits vorliegt und Ihnen dadurch Unkosten entstehen. Die ersten Leistungen erfolgen für den Monat, in dem Sie den dann bewilligten Antrag an Ihre Pflegeversicherung gestellt haben. Allerdings werden die Leistungen rückwirkend für den Monat bezahlt, in dem der Antrag gestellt wurde (wenn beispielsweise Ende Juni der Antrag gestellt, wird bei Bewilligung die volle Leistung für den Monat Juni gezahlt).

Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Je nachdem ob eine betroffene Person zu Hause von Angehörigen oder Freunden gepflegt wird oder durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst, zahlt die Pflegekasse entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen.

Bei der Pflege durch Angehörige erhält die betroffene Person Pflegegeld direkt von der Pflegekasse ausgezahlt.

Wenn die pflegebedürftige Person von einem ambulanten Pflegedienst betreut wird, erhält der Pflegedienst direkt von der Kasse die Pflegesachleistungen.

Natürlich gibt es auch Fälle wo sowohl Angehörige pflegen, als auch der ambulante Pflegedienst beispielsweise bei medizinischen Anforderungen unterstützt. In diesem Falle ist eine Kombinationsleistung möglich – sprich man erhält anteilig Pflegegeld und der Pflegedienst erhält die anteiligen Pflegesachleistungen. Wenn man also beispielsweise 70% der zustehenden Sachleistungen für einen Pflegedienst verbraucht, erhält man nur noch 30% Pflegegeld.

Die genaue Höhe der regulären monatlichen Leistungen der Pflegekasse finden Sie in unserem Beitrag über Pflegegeld.

Oder schauen Sie sich einfach unser YouTube-Video „Pflegegrade Leistungen 2018 – Pflegegeld einfach erklärt“ an. Hier erklärt SunaCare-Gründer Daniel Schlör wie viel finanzielle Unterstützung Sie pro Pflegegrad erhalten können.

Missverständnisse und Schwierigkeiten bei der Antragstellung

Pflegebedürftige Menschen erhalten auf Antrag von ihrer Krankenkasse einen Pflegegrad und damit verbundene Leistungen und Ersparnisse. Diese Leistungen sind von der Höhe des Pflegegrades abhängig. Seit 2017 gilt das neue Pflegestärkungsgesetz II, was aus den bisherigen Pflegestufen 0 – 3, die Pflegegrade 1 – 5 gemacht hat.

Ein wichtiger Punkt der sich geändert hat ist zum Beispiel, dass häusliche Pflege vor stationärer Pflege gilt. Pflegeversicherungen müssen also vorrangig Leistungen erbringen die die häusliche Pflege und Pflege von Angehörigen unterstützen soll, damit Pflegebedürftige so lange wie möglich im gewohnten Umfeld bleiben können.

Ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, entscheiden die Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK). Die Einstufung erfolgt nach den so genannten „Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches“ und sind für die Gutachter verbindlich.

Diese Regeln und Richtlinien sind öffentlich für jeden zugänglich, allerdings sind sie sehr verwirrend und zeitaufwendig durchzugehen.

Deshalb können sich schnell auch einige Missverständnisse ergeben.

Ablauf der Begutachtung

Die Begutachtung des Pflegebedürftigen wird für gesetzlich Versicherte durch den MDK im eigenen Heim durchgeführt. Bei privat Versicherten wird die Begutachtung durch Medicproof durchgeführt. Medicproof begutachtet die Pflegebedürftigkeit nach denselben Grundsätzen wie der MDK.

Die Gutachter sind meist erfahrene Pflegekräfte oder Ärzte und befragen die Pflegebedürftigen mit Hilfe eines festgelegten Fragenkataloges (der in sechs Module eingeteilt ist) über Probleme und die allgemeine Bewältigung des Alltages.

Professionelle Begutachter teilen die Pflegegrade zu

Es ist immer hilfreich wenn ein Angehöriger oder die Pflegeperson bei der Begutachtung dabei ist, da sie unterstützen kann und wichtige Informationen beisteuern kann.

Anschließend wird das Gutachten vom jeweiligen Gutachter an die Pflegekasse geschickt, um die Pflegebedürftigkeit genau einzuschätzen. Auch gibt der Gutachter seine Einschätzung über die Notwendigkeit weiterer Hilfsmittel, beispielsweise ein Rollator, oder Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen. Ihre Pflegekasse erstellt auf der Grundlage der Ergebnisse ein Gutachten, was den Pflegebedürftigen zugeschickt wird.

Es ist auch möglich gegen den Bescheid der Pflegekasse Widerspruch einzulegen, wenn man mit der Entscheidung nicht einverstanden ist. Dieser muss innerhalb eines Monats, nach Erhalt des Bescheids, bei der Pflegekasse eingegangen sein.

Wichtiges zu beachten

Etwas das vor allem auch von Angehörigen oder Pflegepersonen zu beachten ist, ist dass die Begutachtung durch eine außenstehende, professionelle Person des MDK (oder Medicproof) für die meisten Pflegebedürftigen sehr unangenehm sein kann. Sie müssen intime Fragen beantworten und schildern welche alltäglichen Tätigkeiten nicht mehr selbstständig durchgeführt werden können. Es werden Themen besprochen die Scham hervorrufen können, wie beispielsweise Toilettengänge oder die Körperwäsche. Vor allem ist es aber oftmals schwierig für eine Person, sich selbst oder anderen gegenüber einzugestehen, dass sie scheinbar einfache Aufgaben nicht mehr selbst bewältigen können, wie sie es früher ein mal konnten (den Einkauf erledigen, Medikamente einnehmen). Die Gefahr, dass die pflegebedürftige Person ihren Alltag beschönigt und die eigenen Fähigkeiten besser darstellt als es eigentlich der Fall ist, ist daher groß.

In solchen Fällen sollte die Pflegeperson oder die Angehörigen eigene Informationen zum tatsächlichen Zustand der pflegebedürftigen Person übermitteln. Wenn man dies tun möchte, ohne die pflegebedürftige Person zu „beschämen“, kann man dies auch in einem persönlichen vier-Augen-Gespräch mit dem Gutachter tun.

Andererseits ist es auch nicht zu empfehlen, den eigentlichen Zustand und die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person schlechter darzustellen als sie es tatsächlich sind. Da die Gutachter immer professionelle Pflegefachkräfte oder Ärzte sind, die Erfahrung mit dem Begutachten und der Einschätzung der Pflegebedürftigkeit haben, können sie schnell feststellen wer übertreibt oder den Sachverhalt wahrheitsgemäß darstellt.

Was bedeutet Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil?

Bei dem Begriff „Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil in Pflegeeinrichtung“ (EEE) kommt es sehr oft zu Missverständnissen. Hier handelt es sich nicht um den kompletten, monatlich zu entrichtenden Eigenanteil der Bewohner eines Pflegeheimes. Bis 2016 wurden die pflegebedingten Kosten für vollstationär untergebrachte Pflegebedürftige anhand der Pflegestufe berechnet. Seit dem neuen Pflegestärkungsgesetz zahlen alle Bewohner des Pflegeheims mit den Pflegegraden 2 bis 5 die gleichen Sätze für pflegebedingte Aufwendungen. Der EEE bezieht sich also auf die pflegebedingten Kosten, die nach Abzug der Kassenleistungen auf die Bewohner umgelegt werden. Weitere Kosten wie zum Beispiel für die Unterkunft und Verpflegung werden separat berechnet und unterscheiden sich von Bewohner zu Bewohner, da es beispielsweise bei der Zimmergröße Abweichungen geben kann.

Pflegegrad 1 nun auch für geringe Pflegebedürftigkeit

Vor Januar 2017 konnten viele Menschen die nur eine geringe Pflegebedürftigkeit haben, keine Pflegestufe erhalten, obwohl sie Beeinträchtigungen und Pflegebedürftigkeit aufwiesen. Diese Menschen können seit diesem Jahr zumindest den Pflegegrad 1 erhalten. Es wird geschätzt, dass die Zahl der Personen mit Pflegegrad 1 in Deutschland in den nächsten Jahren etwa auf eine halbe Million Menschen steigen wird.
Der Pflegegrad 1 wird nicht wirklich wie ein vollwertiger Pflegegrad angesehen der alle Leistungen enthält wie die höheren Pflegegrade. Allerdings lohnt es sich schon ihn zu beantragen, da man wenigstens geringe finanzielle Zuschüsse und Vorteile erhalten kann. In diesen Leistungen können zum Beispiel Betreuungs- und Entlastungsleistungen, wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie Einbau eines Treppenlifts oder Umbau zu einem barrierefreien Badezimmer, Wohngruppenzuschlag für ambulante Wohngemeinschaften und Pflegeberatung enthalten sein.

Der Pflegegrad 1 ist neu und mit keiner vorher existierenden Pflegestufe zu vergleichen. Wer bisher Pflegestufe 0 erhielt, wird allerdings automatisch in Pflegegrad 2 und nicht in Pflegegrad 1 eingeteilt, da Pflegegrad 1 nur bei Menschen mit geringen Einschränkungen greifen soll. Menschen die in Pflegegrad 1 eingestuft werden benötigen beispielsweise meistens geringfügige Unterstützung bei der Haushaltsausführung, bei der Abwicklung von behördlichen Angelegenheiten oder bei der korrekten Einnahme von Medikamenten.

Es gibt viele Richtlinien an die man sich bei der Antragstellung für einen Pflegegrad halten muss.

Es kann für die pflegenden Angehörigen schwierig und zeitintensiv sein sich mit all diesen Texten auseinanderzusetzen und so kann es schnell zu Fehlern kommen die einen negativen Einfluss auf die Pflegeeinstufung haben können. Am sinnvollsten ist es sich mit seiner Pflegeversicherung auseinanderzusetzen um die relevantesten Informationen zu erhalten.

Pflegegrade begünstigen auch die häusliche Pflege

Das Anfang 2017 neu eingeführte Pflegestärkungsgesetz II bietet viele Veränderungen und Verbesserungen sowohl für Pflegebedürftige als auch Pflegekräfte und Angehörige.

Das Pflegestärkungsgesetz II und der überarbeitete Pflegebedürftigkeitsbegriff ermöglichen die bessere Einschätzung individueller Bedürfnisse und sollen vor allem die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen stärken. Zur Selbstständigkeit gehört es auch so lange wie möglich im eigenen Heim bleiben zu können, da gerade Senioren durch ungewohnte Umgebungen negativ beeinträchtigt werden können. Zusätzlich können sich, wegen des Pflegenotstandes, die zu wenigen Pfleger nicht gleich um alle Pflegenden kümmern, weshalb eine häusliche Pflege viele Vorteile bietet.

Für die häusliche Pflege bietet das überarbeitete Gesetz seit 2017 mehr Leistungen wie beispielsweise Entlastungsbeiträge für Pflegebegleiter oder Haushaltshilfen, bis zu 40€ monatlich für Verbrauchsprodukte wie Betteinlagen, bis zu 4000€ für Umbauten im Haus wie Einbau von Treppenlifts, sowie der schnellere Erhalt von Pflegehilfsmittel wie Duschstühlen, die auch vom MDK empfohlen werden und nicht mehr extra beantragt werden müssen.

Es gibt viele weitere Entlastungen für die häusliche Pflege, die so zu einer günstigeren und ganzheitlicheren Alternative zur stationären Pflege wird. Informieren Sie sich jetzt zur häusliche Pflege.

Lassen Sie sich beraten

Das Ziel sollte immer sein den Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen so viel Unterstützung wie möglich zu bieten.

Deshalb verfügt SunaCare über ein Netzwerk qualifizierter Berater, die teilweise auch Gutachter des MDK sind und gerne den Kunden bei der Beantragung des Pflegegrades zur Seite stehen und sie unterstützen.
Dazu können Sie ganz einfach mit SunaCare einen Beratungstermin vor Ort vereinbaren. Die Berater kommen also zu Ihnen nach Hause um mit Ihnen persönlich Ihre Bedürfnisse zu erfassen und zu erklären wie man anschließend den passenden Pflegegrad beantragt.

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