Pflegegrad 3 – Informationen über Begutachtung und Leistungen

Pflegegrad 3 ist einer von fünf Pflegegraden, die mit der Pflegereform 2017, die veralteten Pflegestufen abgelöst haben.

Die Einstufung in einen Pflegegrad durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen ist für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sehr wichtig, da Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad in Form von Pflegegeld und Pflegesachleistungen finanziell entlastet werden. Die Informationen über Pflegegrade und nach welchen Richtlinien Pflegebedürftige beurteilt und eingestuft werden sind vielzählig und oft widersprüchlich oder verwirrend formuliert.

Welche vorherige Pflegestufe ist dem Pflegegrad 3 ähnlich?

Seit der Umstellung von Pflegestufen zu Pflegegraden 2017, herrscht oft Verwirrung über die genaue Einteilung und Unterschiede. Ist Pflegegrad 3 auch korrespondierend zu Pflegestufe 3?

Nein, denn es gab vorher nur drei wirkliche Pflegestufen plus Härtefälle. Durch Veränderungen in der Einteilung der Pflegegrade, der Leistungen und zur besseren Einschätzung der verschiedenen Grade an Pflegebedürftigkeit, wurden fünf Pflegegrade eingeführt. Das heißt, dass die vorherigen Stufen nun nicht genau in ihr neues Pendant eingeteilt werden können.

Pflegegrad 3 entspricht der vorherigen Pflegestufe 2. Wenn eine Demenz vorliegt, entspricht der Pflegegrad 3 der vorherigen Pflegestufe 1 mit Demenz.

Wie wird man in Pflegegrad 3 eingeteilt?

Der Pflegegrad 3 wird laut Sozialgesetzbuch vergeben, wenn eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten vorliegt. Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) in sechs verschiedenen Bereichen geprüft und gewertet.

Wie wird man in Pflegegrad 3 eingeteilt

Pflegebedürftige werden in Pflegegrad 3 eingestuft, wenn sie im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessements (NBA) des Medizinischen Dienstes der Krankenverischerungen in sechs verschiedenen Bereichen zwischen 47,5  und 70 Gesamtpunkten anerkannt bekommen. Hierbei werden die vorhandene Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person geprüft in Hinblick auf körperliche, psychische und kognitive Beeinträchtigungen. Das heißt je mehr Punkte ein Pflegebedürftiger durch das Neue Begutachtungsassessements erhält, desto höher fällt auch der Pflegegrad und die dementsprechenden Leistungen aus.

Vorraussetzung für Erhalt des Pflegegrad 3 ist eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Diese wird von einem Gutachter des MDK in einem Verfahren fest. In diesem Verfahren werden mit dem NBA sechs verschiedene Bereiche untersucht:

  1. Mobilität: Kann sich die pflegebedürftige Person selbstständig fortbewegen und ihre Körperhaltung ändern?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Inwieweit kann sich die pflegebedürftige Person sowohl räumlich und zeitlich orientieren, als auch sich verständigen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Wie ist die psychische Gesundheit des Betroffenen und wie ist der Umgang damit?
  4. Selbstversorgung: Ist selbstständiges Waschen, zur Toilette gehen etc. möglich?
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen: Braucht der Betroffene Hilfe bei der Medikamenteneinnahme oder sonstigen medizinischen Anforderungen?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Kann die pflegebedürftige Person ihren Alltag planen und Kontakt mit Familie und Freunden halten?

Die einzelnen Module werden unterschiedlich gewichtet und haben unterschiedliche Punktzahlen. Die Gesamtpunktzahl wird am Ende errechnet und der entsprechende Pflegegrad wird zugewiesen.In der Grafik sehen Sie die Gewichtung der sechs verschiedenen Module.

Die Grafik zeigt die Gewichtung der einzelnen Module für eine Einstufung in einen Pflegegrad

Beispielsituationen: Ausmaß der Pflegebedürftigkeit in Pflegegrad 3

In den Pflegegrad 3 werden sowohl Personen mit, als auch kognitiven Beeinträchtigungen eingestuft. Kognitive Beeinträchtigungen bezeichnet eine Einschränkung der Denkleistung, wie beispielsweise die altersbedingte Demenz.

Einige Beispielsituationen werden im Folgenden genauer beschreiben die aufzeigen mit welchen Beeinträchtigungen Pflegebedürftige in den Pflegegrad 3 eingestuft werden und wie viel Pflege eventuell benötigt wird.

Personen ohne kognitive Beeinträchtigung

Pflegebedürftige Personen die in Pflegegrad 3 eingestuft wurden und nicht unter kognitiven Problemen, wie einer Altersdemenz leiden, haben in der Regel schwere motorische Beeinträchtigungen.

Personen mit kognitiver Beeinträchtigung

Pflegebedürftige die in Pflegegrad 3 eingestuft werden und unter kognitiven Beeinträchtigungen leiden, meist an einer anfänglichen Demenz, sind nicht zwingend körperlich beeinträchtigt.

Unterstützung im Alltag

Durch eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit bei Pflegebedürftigen die in Pflegegrad 3 eingestuft werden, ist eine umfangreiche Unterstützung bei der Grundpflege notwendig. Dies ist beispielsweise beim Waschen, Anziehen und Toilettengang der Fall. In der Regel können Betroffene nach Anreichen der nötigen Utensilien selbstständig ihre Zähne putzen oder bereits geschnittene Essenstücke, zumindest teilweise, eigenständig essen. Die Betroffenen können sich oft nur noch bedingt eigenständig bewegen und brauchen meist Hilfe beim Aufstehen oder Gehen. Bei einer Häufigkeit der grundpflegerischen Leistungen von zwischen 8 und 14 mal am Tag liegt der Zeitaufwand der Pflege meist zwischen 130 und 280 Minuten.

Unterstützung im Alltag

Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen benötigen Unterstützung in Form von Anleitung oder Aufforderungen zur eigenständigen Durchführung ihrer Grundpflege und zum Toilettengang. Wenn noch motorische Einschränkungen hinzukommen, benötigen die Pflegebedürftigen mehr Unterstützung in der eigentlichen Umsetzung der Grundpflege.

Präsenz einer Pflegeperson während des Tages

Pflegebedürftige die in Pflegegrad 3 eingestuft wurden und nicht unter kognitiven Beeinträchtigungen leiden, sind in der Regel in der Lage Gefahren zu erkennen, das Telefon zu bedienen oder nach Hilfe zu rufen. Sie können ein paar Stunden über den Tag verteilt alleine verbringen und müssen nicht zwingend rund um die Uhr betreut werden. Allerdings liegt bei vielen Betroffenen schon eine starke motorische Beeinträchtigung vor, weshalb es sinnvoll ist, die pflegebedürftige Person nicht zu lange alleine zu lassen.

Präsenz einer Pflegeperson während des Tages

Wenn kognitive Beeinträchtigungen wie eine Demenz vorliegen, ist bei einer Einstufung in Pflegegrad 3 die Präsenz einer Pflegeperson, vor allem während des Tages, sehr wichtig. In den seltensten Fällen leben Betroffene alleine, meist leben sie zusammen mit Angehörigen, einer Betreuungskraft im Rahmen einer 24-Stunden-Betreuung oder in einem Pflegeheim. Es ist nicht ratsam eine pflegebedürftige Person mit Pflegegrad 3 und erheblichen kognitiven Einschränkungen längere Zeit alleine zu lassen.

Nächtlicher Hilfsbedarf

Da bei den Betroffenen meist starke motorische Einschränkungen vorliegen ist bei den meisten Hilfe in der Nacht erforderlich, beispielsweise beim Toilettengang.

Nächtlicher Hilfsbedarf

Je nach Stärke der motorischen und kognitiven Einschränkungen ist die Unterstützung in der Nacht mehrmals wöchentlich nötig.

Psychosoziale Unterstützung

Bei Pflegebedürftigen die in Pflegegrad 3 eingestuft wurden und die nicht an dementiellen Erkrankungen leiden muss mehrere Male am Tag ohne bei finanziellen oder behördlichen Angelegenheiten, bei der Pflege von sozialen Kontakten und beim Anreichen von Gegenständen (Fernbedienung, Telefon etc.) geholfen werden. Außerdem sollte der pflegebedürftigen Person vorgelesen werden, mit ihr Gespräche geführt werden und emotionale Unterstützung geleistet werden. Hierfür werden täglich meist mehrere Stunden verwendet.

Psychosoziale Unterstützung

Betroffene mit Pflegegrad 3 die unter dementiellen Erkrankungen oder sonstigen kognitiven Einschränkungen leiden benötigen üblicherweise viel psychosoziale  Unterstützung. Bei ihnen liegt häufig eine schwere Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten vor, vielleicht kommen auch noch Mobilitätsprobleme dazu. Deshalb liegt der Hilfsaufwand bei mindestens sechs mal pro Tag bis den ganzen Tag über. Es ist notwendig die Pflegebedürftigen anzuleiten, bei der Alltags- und Tagesstrukturierung zu helfen und sich mit der betroffenen Person zu beschäftigen, sei es mit Spielen, Vorlesen oder sonstigen gemeinsamen Aktivitäten.

Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen

Pflegebedürftige die in den Pflegegrad 3 eingestuft wurden und nicht an kognitiven sondern motorischen Einschränkungen leider, haben üblicherweise einen hohen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit ihren krankheitsbedingten Anforderungen. Sie benötigen Hilfe bei der Medikamenteneinnahme, bei Arztbesuchen, beim eventuellen Anziehen von Kompressionsstrümpfen oder beispielsweise beim legen und ziehen eines Katheters.

Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen

In den meisten Fällen brauchen Betroffene nur Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen, wenn sie unter weitere Krankheiten wie Diabetes oder anderen leiden, wofür eine Medikamenteneinnahme notwendig ist.

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 3

Welche Leistungen erhalte ich bei Pflegegrad 3?

Wenn man pflegebedürftig ist und vom MDK in Pflegegrad 3 eingestuft wurde, erhält man von der Pflegekasse Pflegegeld, wenn man zu Hause von Angehörigen oder Bekannten gepflegt wird und Pflegesachleistungen wenn man von einem professionellen Pflegedienst gepflegt wird.

Details zu den Leistungen:

Pflegegeld

Pflegebedürftige die in Pflegegrad 3 eingestuft wurden, erhalten ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 545€ bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Bekannte.

Pflegesachleistungen

Betroffene mit Pflegegrad 3 erhalten bei einer Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst, Pflegesachleistungen in Höhe von 1.298€ im Monat. Die Pflegesachleistungen werden direkt an den ambulanten Pflegedienst gezahlt und nicht an den Pflegebedürftigen.

Kombination 

Es gibt Fälle wo Angehörige nicht die komplette Pflege übernehmen können. Daher gibt es die Möglichkeit eine Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen von der Pflegekasse zu erhalten. Man erhält dann auch nicht die vollen Bezüge beider Leistungen, sondern erhält anteilig Geld und Sachleistungen.

Entlastungsbeitrag

Bei allen Pflegegraden, auch Pflegegrad 1, ist es möglich zusätzlich zu anderen Leistungen bis zu 125€ monatlich Betreuungs- und Entlastungsgeld zu bekommen. Damit kann man beispielsweise eine Haushaltshilfe bezahlen oder einen Alltagsbegleiter einstellen, der mit einem spazieren geht und Gespräche führt.

Weitere Informationen zum Thema Pflegegeld finden Sie hier.

Kurzzeit- und Tagespflege bei Pflegegrad 3

Als Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 hat man auch Anspruch auf sowohl Kurzzeit- als auch Tagespflege.

Kurzzeitpflege: Pflegebedürftige haben einen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn sie beispielsweise im Krankenhaus waren und danach noch für eine kurze Zeit auf professionelle Pflege in einem Pflegeheim angewiesen sind. Man kann bis zu 28 Tage im Jahr Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen und bekommt dafür von der Pflegekasse bis zu 1.612€. Während der Kurzzeitpflege, hat man aber trotzdem noch Anspruch auf die Hälfte des zustehenden Pflegegeldes. Das sind bei Pflegegrad 3 noch 272,50€ im Monat, während der Kurzzeitpflege.

Verhinderungspflege: Genauso wie auf Kurzzeitpflege, haben Pflegebedürftige auch Anspruch auf Verhinderungspflege. Dies beschreibt die Pflege durch professionelle Pflegekräfte, wenn die pflegenden Angehörigen beispielsweise im Urlaub oder eben verhindert sind. Die Krankenkasse zahlt auch die Verhinderungspflege bis zu 28 Tage im Jahr und bis zu 1.612€. Hier haben die Pflegebedürftigen auch Anspruch auf die Hälfte des Pflegegeldes, während die Verhinderungspflege gezahlt wird.

Wenn keine Kurzzeitpflege im Jahr beansprucht wird, hat die pflegebedürftige Person Anspruch auf bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege im Jahr, die mit bis zu 2.418€ von der Kasse bezahlt wird.

Dies gilt auch für den umgekehrten Fall, also wenn keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird, können bis zu sechs Wochen Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden, was einer Zahlung von 2.418€ durch die Pflegekasse entspricht.

Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden, die Beantragung, Erteilung und weitere interessante Details finden Sie hier.

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