Pflegegrad 2 – Voraussetzungen, Einstufung und Leistungen

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist die Einstufung in Pflegegrade sehr wichtig, da sie die Grundlage für essentielle finanzielle Unterstützung bieten.

Dennoch sind die Informationen über die verschiedenen Pflegegrade, die Unterschiede zu der vorherigen Klassifizierung unter Pflegestufen und wie man in einen Pflegegrad eingeteilt wird, oft verwirrend und schwer zu verstehen.

Welche Pflegestufe korrespondiert mit dem neuen Pflegegrad 2?

Seit der Umstellung von Pflegestufen zu Pflegegraden 2017, herrscht oft Verwirrung über die genaue Einstufung und Unterschiede. Ist Pflegegrad 2 jetzt korrespondierend zu Pflegestufe 2?

Nein, denn es gab vorher nur drei wirkliche Pflegestufen plus Härtefälle. Durch Veränderungen in der Einstufung der Pflegegrade, der Leistungen und zur besseren Einschätzung der verschiedenen Grade an Pflegebedürftigkeit, wurden fünf Pflegegrade eingeführt. Das heißt, dass die vorherigen Stufen nun nicht genau in ihr neues Pendant eingeteilt werden können.

Pflegegrad 2 entspricht der vorherigen Pflegestufe 1. Wenn eine Demenz vorliegt, entspricht der Pflegegrad 2 der vorherigen inoffiziellen Pflegestufe 0 mit Demenz.

Unterschiede und Vorteile des Pflegegrad 2

Die Pflegestufe 1 wurde im Sozialgesetzbuch Elf als erhebliche Pflegebedürftigkeit definiert. Diese liegt vor wenn die pflegebedürftige Person mindestens zweimal täglich, zu verschiedenen Zeiten, Hilfe bei der Grundpflege benötigt. Die Grundpflege umfasst beispielsweise Körperpflege, Ernährung und Mobilität.

Der Pflegegrad 2 entspricht daher auch einer erheblichen Einschränkung der Selbstständigkeit. Wie auch bei den Pflegestufen, wird die Einstufung in die Pflegegrade vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übernommen.

Voraussetzungen für die Einstufung in Pflegegrad 2

Mobilitaet ist ein Bereich der bei Pflegegrad 2 geprueft wird

Pflegebedürftige werden in Pflegegrad 2 eingestuft, wenn sie im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessements (NBA) des Medizinischen Dienstes der Krankenverischerungen in sechs verschiedenen Bereichen zwischen 27 und 47,5 Punkte anerkannt bekommen. Hierbei werden die vorhandene Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person geprüft in Hinblick auf körperliche, psychische und kognitive Beeinträchtigungen. Das heißt je mehr Punkte ein Pflegebedürftiger durch das Neue Begutachtungsassessements erhält, desto höher fällt auch der Pflegegrad und die dementsprechenden Leistungen aus.

Vorraussetzung für Erhalt des Pflegegrad 2 ist eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Diese wird von einem Gutachter des MDK in einem Verfahren fest. In diesem Verfahren werden mit dem NBA sechs verschiedene Bereiche untersucht:

  1. Mobilität: Wie bewegt sich die pflegebedürftige Person fort und inwieweit ist sie in der Lage ihre Körperhaltung eigenständig zu ändern?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann sich die pflegebedürftige Person örtlich und zeitlich orientieren? Ist sie in der Lage eigenständig Entscheidungen zu treffen? Kann sie ihre Bedürfnisse kommunizieren?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Leidet die pflegebedürftige Person unter psychischen Problemen? Wie ist das Verhalten der Person – ängstlich oder aggressiv? Wird Hilfe wegen psychischer Probleme beansprucht?
  4. Selbstversorgung: Kann sich die pflegebedürftige Person selbständig waschen und pflegen?
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen: Wie viel Hilfe braucht die betroffene Person beim Umgang mit Krankheiten und Behandlungen wie beispielsweise Medikamenteneinnahme oder Verbandswechsel?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Kann die betroffene Person eigenständig ihren Tagesablauf planen und Kontakt mit Freunden und Familie pflegen?

Jeder dieser Bereiche wird unterschiedlich gewichtet und hat folglich auch unterschiedlich hohe Punkte. Die Gesamtpunktzahl wird am Ende errechnet und der entsprechende Pflegegrad wird zugewiesen.

Begutachtung und Einstufung in einen Pflegegrad

Beurteilung und Einteilung in Pflegegrad 2 durch den MDK

In den Pflegegrad 2 werden sowohl Personen mit, als auch ohne kognitive Einschränkungen eingestuft. Eine kognitive Einschränkung oder Beeinträchtigung bezeichnet eine Beeinträchtigung der Denkleistung, beispielsweise eine altersbedingte Demenz.

Hier sind einige Beispielsituationen aufgeführt, die genauer beschreiben mit welchen Beeinträchtigungen Pflegebedürftige den Pflegegrad 2 zugewiesen bekommen und welche Unterschiede zwischen Pflegebedürftigen mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen herrschen können.

Personen ohne kognitive Beeinträchtigung

Im Pflegegrad 2 gehören zu der Gruppe der Personen ohne kognitive Beeinträchtigungen beispielsweise Pflegebedürftige mit etwas stärker ausgeprägten Mobilitätsschwierigkeiten und körperliche Folgen eines Schlaganfalles. Sie leiden jedoch nicht an kognitiven Störungen wie einer Altersdemenz.

Personen mit kognitiver Beeinträchtigung

Im Pflegegrad 2 gehören zu der Gruppe der Personen mit kognitiven Störungen beispielsweise Pflegebedürftige mit einer anfänglichen Demenz. Die Betroffenen dieser Gruppe sind nicht zwingend körperlich beeinträchtigt.

Unterstützung im Alltag

Laut SGB XI liegt der Grundpflegebedarf für Personen ohne kognitive Beeinträchtigungen mit Einstufung in Pflegegrad 2 zwischen 30 und 127 Minuten am Tag. Die betroffenen Pflegebedürftigen benötigen Hilfe beim Waschen, Anziehen und beim Gang zur Toilette. Dies bedeutet, dass mindestens drei bis maximal 15 mal am Tag Hilfebedarf zu unterschiedlichen Zeiten anfällt. Da viele pflegebedürftige Personen alleine leben, ist der Einsatz von Pflegepersonal durch An- und Abfahrt recht hoch. Bei pflegenden Angehörigen schneidet dies durchschnittlich in den eigenen Alltag ein, was zu höheren Belastungen führt.

Unterstützung im Alltag

Pflegebedürftige mit kognitiven Problemen ohne motorische Beeinträchtigungen benötigen lediglich kurze Anleitungen zur Durchführung der eigenen Grundpflege und führen diese dann anschließend selber durch. Der Zeitaufwand für diese Hilfen liegt deshalb nur bei 8 bis 10 Minuten. Diese können bis zu 10 mal täglich anfallen. Wenn bei der pflegebedürftigen Person dieser Gruppe auch motorische Beeinträchtigungen bestehen, erhöht sich der Grundpflegebedarf auf bis zu 58 Minuten. Dies kann von Unterstützung beim Anziehen, Waschen oder Toilettengängen reichen und ungefähr 4 mal am Tag in Anspruch genommen werden.

Präsenz einer Pflegeperson während des Tages

Bei Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2, bei denen keinerlei kognitive Störungen vorliegen, ist in der Regel keine oder nur geringfügige personelle Präsenz am Tag nötig. Betroffene dieser Gruppe sind in der Lage Gefahren zu erkennen und eigenständig ein Telefon zu bedienen.

Präsenz einer Pflegeperson während des Tages

Die Betroffenen dieser Gruppe sind normalerweise im Stande,  in ihrem gewohnten Umfeld, mehrere Stunden alleine zurechtzukommen – sind aber mit außergewöhnlichen Situationen schnell überfordert.

Da bei Pflegebedürftigen in dieser Gruppe eine Demenz und eventuell weitere Beeinträchtigungen vorliegt, müssen die Betroffenen beobachtet werden, um ein eventuelles Eingreifen zu ermöglichen. Dies ist in der Regel gewährleistet, wenn die pflegebedürftige Person mit Angehörigen zusammenlebt oder oft mit diesen zusammen ist. Bei alleinlebenden Pflegebedürftigen werden bis zu fünf Einsätze täglich organisiert.

Nächtlicher Hilfsbedarf

Bei manchen Betroffenen ist einmal pro Nacht, nächtliche Hilfe notwendig.

Nächtlicher Hilfsbedarf

In der Regel besteht bei Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 mit kognitiven Beeinträchtigungen und ohne (starke) Mobilitätsschwierigkeiten kein nächtlicher Hilfsbedarf.

Psychosoziale Unterstützung

Bei Betroffenen mit Pflegegrad 2 ohne Demenz oder sonstige kognitiven Störungen besteht psychosoziale Unterstützung hauptsächlich aus Hilfe bei finanziellen oder behördlichen Angelegenheiten, in manchen Fällen auch bei der Pflege von sozialen Kontakten.

Psychosoziale Unterstützung

Betroffene mit Pflegegrad 2 die unter Demenz oder ähnlichen kognitiven Beeinträchtigungen leiden, benötigen üblicherweise fünf bis zehnmal täglich psychosoziale Unterstützung. Diese Unterstützung umfasst beispielsweise Gespräche zu führen, Spiele zu spielen, Alltagsaktivitäten im Haushalt und außerhalb sowie weitere reaktivierende Hilfeleistungen.

Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen

Alle Betroffenen haben normalerweise einen hohen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit ihren krankheitsbedingten Anforderungen. Das heißt sie benötigen Hilfe bei Arztbesuchen, der Medikamenteneinnahme oder beispielsweise beim wechseln von Verbänden oder ähnlichem.

Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen

Betroffene haben oft einen Unterstützungsbedarf bei der Medikamenteneinnahme.

Besonderheiten

Betroffene die nach der veralteten Pflegestufen-Regelung mit einem Grundpflegeaufwand von 30 Minuten am Tag keinen Anspruch auf Leistungen hatten, können nach den Neuerungen im SGB XI jetzt den Pflegegrad 2 erhalten. Dies betrifft beispielsweise Personen die nur ein mal täglich einen Pflegedienst zur Grundpflege in Anspruch nehmen, die erhebliche Mobilitätsprobleme haben oder morgens und abends Hilfe von einem Angehörigen bei der Essenszubereitung und hauswirtschaftlichen Aufgaben erhalten.

Leistungen bei Pflegegrad 2

Bei Pflegegrad 2 erhält man entweder Pflegegeld, wenn man durch Angehörige oder Freunde häuslich gepflegt wird oder Pflegesachleistungen wenn man durch einen ambulanten Pflegedienst gepflegt wird.

Pflegegeld

Mit dem Pflegegrad 2 erhält man ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 316€ bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Freunde.

Pflegesachleistungen

Betroffene mit Pflegegrad 2 erhalten bei einer Pflege durch ambulante Pflegedienste, Pflegesachleistungen in Höhe von 689€ im Monat. Dieses Geld wird direkt an den ambulanten Pflegedienst gezahlt und nicht an den Pflegebedürftigen.

Kombination 

Es gibt natürlich auch Fälle wo Angehörige nicht die komplette Pflege übernehmen können. Es gibt also auch die Möglichkeit eine Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen von der Pflegekasse zu erhalten. Man erhält dann auch nicht die vollen Bezüge beider Leistungen, sondern erhält anteiliges.

Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden, die Beantragung, Erteilung und weitere interessante Details finden Sie hier.

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