Wie regele ich meinen Nachlass?

Wer rechtzeitig seinen Nachlass regelt, kann seinen Lebensabend ruhiger genießen und erspart seinen Erben unter Umständen viele Sorgen. Außerdem hat man durch ein Testament die Kontrolle darüber, was mit dem eigenen Vermögen nach dem Tod passiert. Überlegen sie sich deswegen genau, wen sie wie begünstigen wollen und wofür die einzelnen Teile ihres Vermögens später einmal eingesetzt werden sollen.

Dabei ist zunächst zu beachten: Vermachen und vererben ist nicht dasselbe. Ein Erbe ist ein juristischer Nachfolger. Erben übernehmen alle Rechte und Pflichten, also neben Vermögen auch eventuelle Schulden. Ein sogenannter Vermächtnisnehmer kann etwas Bestimmtes erhalten, ohne Erbe sein. Das kann etwa ein spezieller Gegenstand sein, aber auch Geld oder eine Immobilie. Über ein Vermächtnis können sie auch Menschen außerhalb ihres unmittelbaren familiären Umfeldes bedenken, ohne sie gleich als Erben einzusetzen. Die Erben sind verpflichtet, alles Vermachte aus dem Vermögen herauszugeben. Man kann jedoch nicht einfach alles Vermachen. Es braucht immer mindestens einen Erben, weil es einen juristischen Nachfolger geben muss.

Was habe ich und wer kriegt was

Beginnen sie am besten mit einer Aufstellung aller ihrer Vermögenswerte. In eine solche Vermögensübersicht gehören etwa Bankkonten, Sparguthaben, Aktien, Ansprüche aus Lebens- und Rentenversicherungen, wertvolle Dinge wie Schmuck, Möbel oder Antiquitäten und auch Immobilienbesitz. In die Aufstellung gehören außerdem Schulden.

Überlegen sie sich als nächstes, ob die gesetzliche Erbfolge für ihre Zwecke funktioniert oder sie an den Erbverhältnissen etwas ändern wollen. Nach dem Gesetz erbt etwa die Ehefrau die Hälfte ihres Vermögens und die andere Hälfte geht an die Kinder. Das ist der gesetzliche Erbteil. Wenn sie eigentlich keinem Verwandten etwas vererben wollen, dann greift der Pflichtteil, der die Hälfte des gesetzlichen Teils umfasst. Am erblichen Pflichtteil können sie fast nichts ändern. Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder, Enkel und Urenkel erben immer etwas, auch gegen ihren Willen. Auch durch Schenkungen zu Lebzeiten lässt sich die Höhe des Pflichtteils kaum beeinflussen. Aber sie können beeinflussen, wer was bekommt, also in welcher Form das Erbe an die jeweils Berechtigten geht. Sie können zum Beispiel dafür sorgen, dass ihr Ehepartner weiter im Eigenheim bleiben kann, indem sie ihren Kindern ihren Erbteil in Form von Geld oder Aktien hinterlassen. Wenn das Haus allen gleichzeitig gehört, dann müssten in diesem Fall die Kinder ausbezahlt werden. An ein Erbe können auch bestimmte Bedingungen geknüpft werden, die ein bestimmtes Verhalten vorschreiben oder verbieten.

Wenn sie doch mehrere Menschen als Erben einsetzen oder auf die gesetzliche Erbfolge setzen, dann entsteht womöglich eine sogenannte Erbengemeinschaft. Diese sind oft konfliktanfällig. Wenn sie sich nicht sicher sind, dass alle mit ihren Vorstellungen einverstanden sind, können sie einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Dieser kümmert sich darum, dass ihr letzter Wille tatsächlich nach ihren Wünschen umgesetzt wird und fungiert als Moderator bei Erbengemeinschaften.

Formale Anforderungen an das Testament und digitales Erbe

Formell gibt es zwei Möglichkeiten, ein Testament aufzusetzen. Entweder sie schreiben das Testament handschriftlich selbst oder sie lassen es von einem Notar aufsetzen, unterschreiben es und lassen es beurkunden. Letzteres kostet Geld, ersteres nicht. Beide Testamente sind gleichwertig und auch gleichermaßen gültig. Bei der handschriftlichen Variante sollten sie am besten jedes Blatt mit einer Seitenzahl, einem Datum und einer Unterschrift versehen. Auch alle späteren Zusätze müssen unterschrieben werden. Wenn sie Hilfe beim Aufsetzen eines Testaments brauchen, wenden sie sich an einen Notar oder einen Anwalt, der auf Erbrecht spezialisiert ist. Der Anwalt wird einen Entwurf des Testaments nach ihren Vorstellungen schreiben, den sie dann jedoch handschriftlich abschreiben und unterschreiben müssen. Der Vorteil eines notariell beurkundeten Testaments liegt darin, dass es den Erbschein ersetzen kann. Letzterer muss ansonsten erst von den Erben beantragt werden, um etwa Zugang zum Bankkonto zu erlangen.

Ein zu regelnder Bereich, dessen sich viele vielleicht nicht bewusst sind, ist der digitale Nachlass. Wir häufen im Laufe unseres Lebens inzwischen so viele Online-Konten und Zugänge an, dass Erben im Todesfall viel Arbeit haben, zu diesen Zugang zu erlangen. Ob Online-Banking, Soziale Medien oder das Amazon-Prime-Konto – stellen sie sicher, dass ihre Zugangsdaten zentral zusammengetragen und nach ihrem Tod zugänglich sind. Verschaffen sie sich auch hier einen genauen Überblick und dokumentieren sie ihre Online-Konten. Speichern sie Passwörter und Zugänge auf einem Stick und überlegen sie sich, wem sie sagen, wo dieser zu finden ist. Sie können ihre digitalen Angelegenheiten aber auch testamentarisch regeln oder die Daten bei einem Notar hinterlegen und bestimmen, wer darüber später einmal verfügen kann.

Zuletzt sollten sie – je nachdem, wann sie ihr Testament gemacht haben – dieses immer wieder überprüfen. Haben sich ihre Lebensumstände oder Wünsche geändert? Dann sollten sie auch das Testament anpassen. Und stellen sie sicher, dass ihr letzter Wille nach ihrem Tod auch gefunden wird.



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