Die Bedeutung des Generationenvertrags für die Pflege

Nach wie vor gilt in Deutschland der Generationenvertrag. Meistens wird von ihm gesprochen, wenn es um die Renten geht. Den Generationenvertrag hat niemand abgeschlossen. Er ist jedoch die verkürzte Beschreibung für das Prinzip, dass die Jüngeren den Lebensabend der Älteren finanzieren. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung charakterisiert den Generationenvertrag in einem Bericht zu dessen Zukunft als „idealtypische Beschreibung der Generationenbeziehungen in einer Gesellschaft ohne eine institutionalisierte Altersversorgung“.

In Deutschland gilt dieses jedoch schon lange nicht mehr. Denn die Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung 1957 „übertrug das Prinzip der Altenversorgung aus dem familiären Generationenvertrag auf die Kollektivebene“. Das heißt, hier wurde das private Familienideal – die Alten sorgen erst für die Jungen und später versorgen die Kinder die Eltern – gesamtgesellschaftlich umgesetzt. Dasselbe gilt auch für die Pflege – auch hier finanzieren die jüngeren Generationen die Versorgung der Älteren. Nur das hier trotz der gesellschaftlichen Übereinkunft auch die Familien in der Pflicht gesehen werden. In dieser traditionellen idealtypischen Form wird die Anwendung des Generationenvertrages auf die Pflege jedoch problematisch.

Neun von zehn pflegenden Angehörigen sind Frauen

Denn vielfach wird noch von einem veralteten Familienmodell ausgegangen, das eine sehr traditionelle Rolle der Frau beinhaltet. Dieses Modell sieht in letzter Konsequenz vor allem Frauen in der Verantwortung für die Pflege von Angehörigen. Im AOK Pflegereport 2016 findet sich immer noch die „steigende Bedeutung von Frauenerwerbstätigkeit“ als eines der Problemfelder für die Pflege. Hingegen heißt es im Pflegereport der Krankenkasse DAK von 2015, dass die Pflege von Angehörigen immer noch zu einem Großteil von deren weiblichen Familienmitgliedern geleistet wird. „Neun von zehn pflegenden Angehörigen sind Frauen“, steht dort geschrieben. Und weiter: „Im Schnitt sind mehr als die Hälfte aller pflegenden Angehörigen von psychischen Leiden betroffen.“ Da ein Drittel der pflegenden Frauen obendrein berufstätig sei, ist die körperliche und seelische Belastung ohne Hilfe schwer zu bewältigen. Der DAK-Report formuliert also die Pflege im familiären Umfeld durch Frauen als Problem, das selbst einer Lösung bedarf.

Im Vergleich dazu nennt der AOK-Bericht Pflege „Sorgearbeit“. Diese sei vor allem von den Familien zu leisten und werde nun durch „irregulär beschäftigte Haushaltshilfen“ geleistet. Gemeint sind hier ausländische Pflegekräfte, auf die die „Sorgearbeit umverteilt“ würde. Der Einsatz ausländischer Pflegekräfte wird hier also nicht als Lösung, sondern größtenteils als Problem verstanden. Denn die Autoren gehen davon aus, dass diese Branche hauptsächlich in der Illegalität operiert und von Ausbeutung geprägt ist. Dabei wird außer Acht gelassen, dass es bereits einen seriösen und etablierten Teil der Branche gibt. Und auch der AOK-Bericht kommt nicht umhin, die Pflege durch ausländische Kräfte als „Wachstumsmarkt“ zu bezeichnen, der jedoch von einem hohen Regulierungsbedarf geprägt ist. Dessen ist sich die Branche sehr wohl bewusst und setzt sich für noch deutlichere Regulierungen bei der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte ein.

Der Gesetzgeber muss für bessere Bedingungen sorgen

Denn vor allem die Politik muss für bessere Grundlagen für die Betreuung im Alter sorgen. Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz wird bereits die Einbindung ausländischer Pflegekräfte und auch deren Finanzierung erleichtert. Durch die Erhöhung des Pflegegeldes wird es ab 2017 noch ein Stück einfacher werden, Pflege zu Hause zu organisieren. Dennoch besteht im Hinblick auf die Pflege in häuslicher Gemeinschaft (die sogenannte 24-Stunden-Pflege) noch viel Handlungsbedarf.

Es müssen klarere gesetzliche Grundlagen für die Arbeit von ausländischen Pflegekräften geschaffen werden und damit verbunden auch noch bessere Möglichkeiten für eine Unterstützung bei der Finanzierung. Geschieht das, so könnte die „24-Stunden-Pflege“ den wichtigsten Teil des idealtypischen Generationenvertrages ermöglichen: nämlich, dass ältere Menschen zu Hause gepflegt werden. Denn niemand will im Alter ins Heim. Die Menschen wollen umsorgt in den eigenen vier Wänden in vertrauter Umgebung alt werden können. Wie genau die Pflege zukünftig aussieht, wird die deutsche Gesellschaft in den kommenden Jahren neu aushandeln müssen. Ausländische Pflegekräfte werden ein wichtiger Bestandteil dieser Debatte sein und sicherlich Teil der Lösung.

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