Der digitale Nachlass

Wer heute stirbt, hinterlässt nicht nur herkömmliche Vermögenswerte, sondern sehr wahrscheinlich auch die Spuren seines Lebens im Internet: Konten für das Online-Banking, für Netflix und Amazon, für Ebay und diverse soziale wie berufliche Netzwerke. Während die Handhabung weltlicher Güter nach unserem Tod ausführlich gesetzlich geregelt ist, fehlen für den digitalen Nachlass oftmals die entsprechenden rechtlichen Grundlagen. Das Recht hinkt in diesem Bereich den technologischen Entwicklungen hinterher. Das heißt: Erben und Hinterbliebene erhalten nicht automatisch auf alles Zugriff. Zahlungen für ein Netflix-Konto werden so unter Umständen weiter abgebucht, der verstorbene Nutzer bleibt auf Facebook registriert, weiterhin Kunde von Amazon oder Ebay und generell überall im Netz präsent, wo er sich einmal angemeldet hat.

E-Mail-Zugänge für Erben

Auch die E-Mail-Korrespondenz eines Verstorbenen können Hinterbliebene oft nicht einfach einsehen, während sie normale Briefe sehr wohl öffnen dürfen. Hier berufen sich viele Anbieter auf das Telekommunikationsgeheimnis, was auch die andere Seite der Korrespondenz schützt. Immerhin können Erben mit dem Erbschein Zugriff auf Konten bei Web.de und GMX erhalten. Yahoo gewährt diese Möglichkeit nicht. Google wiederum bietet einen Inaktivitätsmanager an. Das heißt, dass man einen Kontakt angeben kann, der angeschrieben wird, sobald sich auf dem Konto längere Zeit nichts tut. Dieser erhält dann Zugriff. Worauf Erben grundsätzlich Zugriff erhalten sind das Online-Banking-Konto sowie Strom-, Gas- und Versicherungsverträge. Alles Dinge, die heutzutage auch häufig im Internet abgeschlossen und gepflegt werden.

Facebook – ein schwieriger Fall

Auf Facebook, dem größten sozialen Netzwerk, gab es lange Zeit nur die Möglichkeit, das Profil eines Verstorbenen löschen zu lassen oder es in ein Gedenkprofil umzuwandeln. Bei einem Gedenkprofil werden bestimmte Funktionen ausgestellt, die schnell zu morbiden Situationen führen können. Wie etwa, wenn die Plattform automatisch an den Geburtstag eines Mitglieds erinnert. Außerdem wird neben dem Namen im Profil der Zusatz „In Erinnerung an“ angezeigt, was es zu einer Art digitalem Grabstein macht. Die Kontakte des Verstorbenen können immer noch auf die Wand schreiben.

Inzwischen gibt es die Möglichkeit, einen sogenannten Nachlasskontakt zu benennen. Diesem wird dann sehr begrenzter Zugang auf das Profil des Verstorbenen gewährt. Der Haken ist jedoch, dass dieser Kontakt selbst auch ein Facebook-Profil haben muss. Und er wird auch erst kontaktiert, nachdem das Profil in ein Gedenkprofil umgewandelt wurde.
Die Möglichkeit, dass jemand, der nicht die Original-Zugangsdaten hat, darauf wie ein Nutzer Zugriff erhält, gibt es jedoch nicht. Auch der Nachlasskontakt kann lediglich einen fixierten Beitrag für das Profil verfassen, auf neue Freundschaftsanfragen reagieren und das Profil- und Titelbild des Verstorbenen aktualisieren. Jeder Nutzer kann, wenn er das möchte, bestimmen, ob sein Profil gelöscht oder in ein Gedenkprofil umgewandelt werden soll.

Ein wegweisendes Gerichtsurteil für den digitalen Nachlass

In die Frage des digitalen Nachlasses kam jüngst durch einen Fall vor dem Landgericht Berlin Bewegung. Die Mutter einer 15-jährigen hatte Facebook auf Zugang zum Profil ihrer verstorbenen Tochter verklagt. Das Gericht urteilte zu Ihren Gunsten. Zum Beispiel mit der Begründung, dass eine unterschiedliche Behandlung von analogem und digitalem Nachlass nicht gerechtfertigt ist. Wenn Briefe und Tagebücher vererbt werden könnten, so müsste das auch für Facebook-Nachrichten und E-Mails gelten. Das Gericht verurteilte Facebook dazu, der Mutter Zugang zum Benutzer-Account ihrer verstorbenen Tochter zu gewähren. Das soziale Netzwerk hat sogleich Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Hilfestellung bei der Regelung des digitalen Nachlasses

Inzwischen gibt es Firmen, die Hilfe beim Auffinden von Online-Konten von Verstorbenen anbieten. Hier müssen die Hinterbliebenen jedoch aufpassen und zwischen zwei Arten von Angeboten unterscheiden. So wird einerseits angeboten, mit den personenbezogenen Daten des Verstorbenen das Internet zu durchsuchen und Konten zu identifizieren, von denen die Erben vielleicht noch nichts wussten. Andererseits gibt es auch Angebote, die ein Durchsuchen des Computers oder Laptops des Verstorbenen anbieten. Hier vor warnen unter anderem die Verbraucherzentralen. Denn die Firma bekommt so Zugang zu sehr persönlichen Informationen und man gibt womöglich das gesamte Leben seines verstorbenen Angehörigen preis.

Es gilt also auch für den digitalen Nachlass: stellen sie eine Übersicht aller ihrer Online-Konten auf und sammeln sie ihre Zugangsdaten zentral. Das kann zum Beispiel in einem Passworttresor geschehen. Ein Passwort-Tresor oder auch Passwort-Manager ist generell eine sinnvolle Angelegenheit für Menschen, die sich ihre Passwörter nicht gut merken können. Das sind Computerprogramme, in denen man seine Passwörter sammeln kann und sich dann nur ein Passwort – nämlich das für den Tresor – merken muss. Um den Erben eine Hilfe zu sein, sollte dieses sogenannte Masterpasswort dann irgendwo, etwa in einem Brief in der Schreibtischschublade, hinterlegt sein. Dasselbe gilt, wenn sie ihre Passwörter auf einem verschlüsselten USB-Stick speichern. Auch hierfür muss dann jemand im Todesfall das Passwort entweder schon haben oder zumindest leicht finden können.

Eine Word- oder Excel-Tabelle oder ein unverschlüsselter USB-Stick sind zwar datenschutzrechtlich nicht der sicherste Weg, um seine Zugangsdaten aufzubewahren. Aber im Zweifel haben ihre Hinterbliebenen damit zumindest eine Handhabe. Ist ihr Rechner passwortgeschützt, so muss man dieses Passwort ebenfalls irgendwo in nicht digitaler Form aufbewahren und einer Vertrauensperson darüber Bescheid geben. Wenn alle Informationen auf ihrem Computer gespeichert sind, an diesen jedoch niemand herankommt, haben die Erben wieder dasselbe Problem wie zuvor. Am besten sie regeln auch ihren digitalen Nachlass testamentarisch und legen fest, was mit ihren Online-Präsenzen passieren soll und wer dafür zuständig ist.

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